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13.09.2017 |  Gunnar Landsgesell

Mother!

Jennifer Lawrence und Javier Bardem als scheinbar einträchtiges Paar in einem Haus am Land. Als ungebetene Gäste auftauchen, steigern sich die Ereignisse zu einem Alptraum. Regisseur Darren Aronofskys hermetischer, selbstreferenzieller Mystizismus lässt dabei einige Fragen offen.

Noch bevor die Erzählung beginnt, lässt Darren Aronofsky das Publikum in einen Kristall blicken. Damit ist man gleichsam vorgewarnt: Im Folgenden könnten die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verwischen, aber auch der Zeitebene wird alsbald eher nicht zu trauen sein. Dass eine Frau mit Brandspuren diesen Kristall hält, macht die Sache nicht besser. Und dann, als „Mother!“ schließlich beginnt, erwacht Jennifer Lawrence – allein(gelassen) – in einem Bett und gleitet traumwandlerisch, von einer äußerst enggeführten Kamera, durch das Haus, auf der Suche nach ihrem Mann. Die Frage drängt sich auf: Ist der Traum hier zu Ende oder beginnt er erst?

Regisseur Darren Aronofsky, der seit seinem ersten Film „Pi“ alptraumhafte Welten durchschreitet und 2010 Natalie Portman in „Black Swan“ durch solche schickte, hat sich mit „Mother!“ nun am konsequentesten in die Abstraktion begeben. „Mother!“ hat keine klassische Dramaturgie, sondern gleicht dem steten Anschwellen eines Würgegefühls, das sich schließlich ins Monströse steigert. Der Inhalt ist rasch erzählt: Lawrence und ihr Mann, mit perfider Janusköpfigkeit gespielt von Javier Bardem, leben in einem Haus in einer Landschaft im Nirgendwo. Bardem ist Schriftsteller in einer Schaffenskrise, den angeblich schlimme Erinnerungen an ein niedergebranntes Elternhaus plagen. Lawrence ist sozusagen seine Innenarchitektin. Stück für Stück hat sie das Haus rekonstruiert, um dem armen Mann wieder ein wenig Geborgenheit zu vermitteln. Dieser dankt es ihr auf seine Weise. Als ein unbekannter Mann (Ed Harris) das Haus betritt und von Bardem freundlich aufgenommen wird, fühlt Lawrence sich in ihren Bedürfnissen übergangen. Nach und nach füllt sich das Haus mit weiteren, bizarren Gästen und Begegnungen, und schon bald weckt die zunehmend isolierte, verstörte Figur von Jennifer Lawrence Assoziationen mit Mia Farrow in Polanskis „Rosemary’s Baby“, die bekanntlich einem Haus voller Satanisten ausgeliefert war.

Polanski-Anleihen


Als Horrorfilm taugt „Mother!“ eigentlich kaum, Aronofsky verweigert eine Außenperspektive, die das Erlebte „objektivieren“ und damit in ein Spannungsverhältnis bringen würde. Aber auch die Paarbeziehung zwischen Lawrence und Bardem ist derart dem allegorischen Grundton dieses Films unterworfen, dass die ungleiche Partnerschaft recht blutleer wirkt. Das Dante’sche Inferno, in das Aronofsky seine Protagonistin treibt, lässt erahnen, dass es Aronofsky um etwas „Größeres“ geht, als die Ratio eines Psychothrillers. Sollte der Titel sich auf verschüttete Erinnerungen, den verzweifelten Hilferuf eines Kindes beziehen? Geht es hier um den Kitsch der Aufopferung einer Mutter? Oder wird hier nach biblischen Motiven ein Weltenlauf im Zeitraffer abgespult? Dem Erforschen dieses Films stehen viele Wege offen. Die Mittel, die Aronofsky dafür einsetzt, sind jedoch durchwegs dem Repertoire aus dem Horrorfach entlehnt. Durchwegs subjektive, Kamera; ein Haus, das lebt, dessen Inneres an Eingeweide erinnert, dessen Böden zu bluten beginnen und dessen ungeahnte Öffnungen einen hoffen lassen, mehr zu verstehen. „Mother!“ wirkt in seiner hermetischen Dramaturgie indes zu geschlossen, zu selbstreferenziell, um den Kontakt nach außen zu schaffen.

 

 

 

"Mother!" gleicht vor allem einer Allegorie. Aber worauf? Aufopferungskitsch einer Mutter?

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Das Haus, das J. Lawrence für sich und J. Bardem erbaute, wird zum Inferno. Und Bardem ist der Cerberus.

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Ein Haus, das lebt. Bekanntes aus dem Horrofach.

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