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22.12.2017 |  Gunnar Landsgesell

Jumanji: Willkommen im Dschungel

Abenteuer 2.0: Vier randständige Schüler/innen einer High School werden auf mysteriöse Weise in ein Computerspiel gesaugt und wachsen dort buchstäblich über sich hinaus. Ein Abenteuerfilm als Body Swap Komödie, die ihren Witz ganz aus der Körperlichkeit bezieht.

Der Witz an Rollenspielen ist es, sich in eine andere Figur hineinzudenken, die einem womöglich gar nicht entspricht. Eine schwierige Aufgabe, die aber mitunter befreiend wirken kann. Alles, was man sich im Leben nicht traut oder zutraut, gelingt im Fantasy-Gruppenspiel kinderleicht. Auf diesem Gedanken, das eigene Selbst zu überschreiten, baut auch „Jumanji“ auf. Vier Jugendliche einer High School werden auf mysteriöse Weise in eine Spielkonsole gesaugt und purzeln nacheinander auf den sumpfigen Untergrund eines von Krokodilen und Flusspferden bevölkerten Dschungels. Im Körper ihrer Avatare müssen sich die Vier erst zurechtfinden. Spencer, der blasse Computer-Nerd, steckt nun in der muskelbepackten Hülle von Dwayne „The Rock“ Johnson und vermag Dinge zu tun, die er sich im wirklichen Leben nicht einmal vorzustellen traut. Zum Beispiel seinem vorlauten Schulkollegen Fridge (Kevin Hart) eine zu verpassen, wenn dieser ihn herausfordert. Martha fühlte sich immer ungeliebt, im Körper der schottischen Schauspielerin Karen Gillen erwachen ganz neue Impulse. Für Bethany bringt der Body Switch hingegen eine Gamer-Existenz in der Form von Jack Black. Die Frau im Männerkörper, das ist zwar kein neues filmisches Gimmick, bietet dennoch Anlass für allerlei humoristische Einlagen. „Auf diese Weise ist es soviel einfacher“, heißt es einmal, als die kleine Truppe ein paar Büsche bewässert.

The Rock auf der Suche nach der Ironie

„Jumanji“ ist ein Abenteuerfilm, dessen Abenteuer weniger in der Bezwingung der Wildnis oder furchtbarer Gegner liegt, als in der Reise ins eigene Ich. Vier Randfiguren, die lernen, sich und den Anderen zu vertrauen. Das klingt nach der Antithese zu Außenseiterdramen (oder –komödien), die dem Heterogenen, den Abweichungen in einer Gesellschaft nachspüren und diese auf letztlich bejahende Weise aufwerten. Doch im heterotopen Raum von „Jumanji“ geht es anarchischer zu, hier wird der Möglichkeitssinn extrem forciert und mit den größten Unwahrscheinlichkeiten ein komisches Spiel getrieben. Mögen die Abenteuer selbst nicht besonders originell bzw. wie aus Konsolenspielen wirken, die man schon kennt, so ragt die Idee weit aus dem Urwald heraus und wirkt nicht zufällig nach, wenn die Vier – wieder zurück in der Realität – wieder aufeinandertreffen. Mit dem Wissen, die eigenen Limits zu überschreiten. Eine nette, pädagogisch gefärbte Fabel, die man auch als sehr loses Sequel des 1995 gedrehten Abenteuerfilms „Jumanji“ (mit cheesy Robin Williams in der Hauptrolle) verstehen kann. Auf die Finessen des Body Swaps verstehen sich Comedien Kevin Hart, Karen Gillan und Black Jack, die der „falschen“ Körperlichkeit komische Seiten abgewinnen können. Anders Dwayne Johnson, der sich sichtlich schwer tut, Gefühl für einen körperlich unsicheren und fragilen Computer-Nerd in den auf Actionfilme getrimmten eigenen Habitus zu übertragen. Hier fehlt vielleicht jene Selbstironie, die etwa Arnold Schwarzenegger auf Distanz zur eigenen filmischen Persona in Komödien wie dem "Kindergarten-Cop" zu etablieren weiß.

Im falschen Körper, der dann doch der richtige ist: zumindest in den eigenen Fantasien.

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Dwayne Johnson: löst sich nur unter Mühen vom eigenen Image.

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Begegnung mit Elefanten und dem eigenen Ich. Die wahren Abenteuer sind im Kopf, postulierte es Andre Heller einmal.

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