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02.02.2016 |  Walter Gasperi

Vorarlberg als Filmkulisse – „Hannibal Brooks“ wieder im Kino

Auch über 45 Jahre nach der Uraufführung ist der künstlerische Wert von Michael Winners Spielfilm über einen britischen Kriegsgefangenen, der 1944 versucht, mit einem Elefanten von München in die Schweiz zu flüchten, äußerst bescheiden. Doch weil Teile dieser zwar mit spektakulären Szenen nicht geizenden, aber unentschieden zwischen Komödie und Ernst schwankenden Produktion in Vorarlberg gedreht wurden, kommt „Hannibal Brooks“ nun wieder in die Kinos.

Verschollen – wie kolportiert wird – war „Hannibal Brooks“ nie. Schon im Dezember 1983 organisierte Peter Pienz eine Wiederaufführung des Films in den Kinos in Dornbirn, Lustenau, Götzis und Bezau. Danach verschwand dieser Film zwar von der Leinwand, aber als DVD war er zumindest in einer englischen Fassung erhältlich. – Tatsache ist einfach, dass hier nicht ein großer Film nun wiederentdeckt wurde, sondern dass sich einfach über Jahrzehnte praktisch niemand dafür interessiert hat.

Unausgegorener Mix

Die Handlung bietet einen Mix aus Ausbrechergeschichte und Road-Movie, mit der Besonderheit, dass sich das ungleiche Duo aus einem britischen Kriegsgefangenen (Oliver Reed) und einer indischen Elefantendame zusammensetzt. Von München will sich Brooks mit seiner Lucy in die Schweiz durchschlagen. Wieso er dabei immer wieder dem amerikanischen Soldaten Packy (Michael J. Pollard), der sich dem Widerstand angeschlossen hat, und dem SS-Oberst von Haller (Wolfgang Preiss) über den Weg läuft, ist schleierhaft, denn so klein ist die Welt nun auch wieder nicht.
Schwer tut sich Michael Winner, der sich später vor allem als Regisseur von Action-Filmen mit Charles Bronson einen Namen machte, von Anfang an den richtigen Ton zu finden.
Da versucht er einerseits einen komödiantisch-lockeren Ton anzuschlagen, andererseits aber dazwischen auch immer wieder Spannungskino zu bieten.Bedenklich verharmlost werden dabei vor allem am Beginn die Nazis und auch das Leben im Kriegsgefangenenlager erscheint als unterhaltsam und gemütlich.

Grob zusammengeschustert

Diese Unentschlossenheit im Erzählton setzt sich bei der Reise in einer Sprunghaftigkeit der Ortswechsel und Situationen fort. Grob zusammengeschustert wirken die Szenen, nicht nach – sofern man eine solche erwarten darf – Logik der Handlung angeordnet, sondern nach fotogenen Schauplätzen. Da können sich Brooks und seine Elefantendame dann auch mal in einer Einstellung in einer höheren Berglage befinden, während sich im Gegenschuss der Blick auf ein nicht dazu passendes breites Tal öffnet.
In holpriger Abfolge wechseln so auch Actionszenen mit folkloristischen Szenen vom Schützenfest bis zu einer Erstkommunion am Rande und wild werden auch Trachten vom Bayrisch-Tirolerischen bis zur Bregenzerwälder-Juppe inklusive Krönele gemischt. – Details mögen das ebenso sein wie dass die Datierung kurz nach der Landung der Alliierten in der Normandie (6. Juni 1944) nicht zur Schneelandschaft passt, doch sind es eben diese Details, die letztlich den Film zerstören, nie Atmosphäre aufkommen lassen.

Überragend: die Elefantendame

Seltsame Knallchargen sind hier alle Nazis, besonders fies natürlich von Haller, ein Pazifist zunächst Brooks, während das Verhalten des Amerikaners Packy – eine clowneske Figur – seltsam gespalten ist: Da organisiert er zwar ständig Sabotageakte – schleierhaft, wie er so schnell Kontakte zu Widerstandskämpfern knüpfen und ein Waffenarsenal beschaffen konnte – will aber andererseits auch in die Schweiz flüchten.
Dass alle – egal ob Nazis, Brite oder Amerikaner – perfekt deutsch sprechen trägt auch nicht unbedingt zu atmosphärischer Dichte bei. Blass bleiben auch die Darsteller, nachdrücklich in Erinnerung spielt sich einzig die Elefantendame.

Regionale Drehorte

So flau, nicht ganz scharf und schwammig in den Farben der Film ist – nur mit dem Alter ist das keineswegs zu erklären, gibt es doch auch noch ältere Klassiker in brillanter Bildqualität -, so flau und mau ist auch diese Kriegsabenteuerkomödie.
Spaß macht somit einzig das Aufspüren der regionalen Schauplätze. Denn spektakuläre Szenen wie die Entgleisung der Montafonerbahn oder die Zerstörung eines Wachturms wurden in Vorarlberg – vom Bregenzer Bahnhof über den Bregenzerwald, das Laternsertal und Montafon bis zum Lünersee - gedreht, doch dauern diese teilweise nur wenige Sekunden. Immerhin dürften schätzungsweise rund 30 Minuten des 100 minütigen Films hierzulande entstanden sein.
Ob man dem Kino mit dieser Wiederaufführung auf längere Sicht etwas Gutes tut, bleibt zu bezweifeln. Sicher wird dieses bescheidene Filmchen, bei dem man sich nach Besichtigung nicht mehr darüber wundert, dass es quasi der Vergessenheit anheim fiel, ein lokales Publikum ins Kino locken, Lust auf weitere Kinobesuche wird es aber wohl kaum wecken.

Flucht mit einem Elefanten über die Alpen

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Spektakuläre Entgleisung der Montafonerbahn

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