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08.02.2018 |  Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (9.2. - 15.2. 2018)

Das Filmforum Bregenz zeigt diese Woche Emir Kusturicas fabulierfreudigen, aber ziemlich wirren „On the Milky Road“. Am Spielboden Dornbirn startet mit „Manchester by the Sea“ die heurige Filmreihe von pro mente Vorarlberg zum Thema psychische Krankheiten.

Na Mlečnom putu - On the Milky Road: Berühmt ist der zweimalige Cannes-Sieger Emir Kusturica für sein kraftvolles Kino und seine Fabulierfreude. Beides findet sich auch in „On the Milky Road“, in dem der Regisseur selbst einen Milchmann spielt, der sich mitten in den Wirren des Bosnienkriegs in eine geheimnisvolle Schönheit (Monica Bellucci) verliert, mit der er fliehen muss.
Balkan-Musik sorgt für Drive, durchgeknallte Typen fehlen so wenig wie großartige visuelle Einfälle und deftige Szenen, in denen reichlich Blut fließt. Wild verknüpft der Serbe magisch-poetische Momente mit der Kriegsrealität und mischt Komik mit bitterem Ernst. Im Detail beschwört Kusturica mit dem Aufeinanderprallen von Liebe und Krieg, von Geburt und Tod, von Realismus und Magie dabei zwar durchaus kraftvoll Lebensfreude, nur zu einem Ganzen fügen sich die Szenen nicht, sondern es bleibt bei einem Fleckenteppich.
Zudem werden die realen Schrecken durch die sommerlich-lichtdurchfluteten Bilder in bedenklicher Weise abgeschwächt und durch eine Kolportagegeschichte, die so irr wie wirr ist, verkitscht. Kein Anteil am Schicksal der Figuren nimmt man hier, da auch Kusturica selbst nicht daran interessiert zu sein scheint, sondern seine Typen vor allem benutzt, um hemmungslos seiner Lust am – vielfach auch sinnfreien – Fabulieren zu frönen.
Filmforum Bregenz im Metrokino Bregenz: Fr 9.2., 22 Uhr


Filmreihe „Psychische Krankheiten“:
Wie jedes Jahr in der Fastenzeit zeigt pro mente Vorarlberg auch heuer in Kooperation mit dem Spielboden Dornbirn unter dem Titel „Hingeschaut!“ vier Filme, die von psychischen Krankheiten handeln. Eröffnet wird die Filmreihe mit Kenneth Lonergans „Manchester by the Sea“ (14.2. + 27.2.). In diesem meisterhaft inszenierten und gespielten Familiendrama soll ein Mann die Vormundschaft für seinen 16-jährigen Neffen übernehmen, doch immer noch lastet ein Jahre zurückliegender Fehler mit fatalen Folgen schwer auf ihm. Bewegend erzählt Lonergan von Wunden, die nie ganz heilen, zeigt aber auch, dass das Leben trotzdem weitergeht und langsam auch ein Ausbruch aus der Traumatisierung gelingen kann.
Im Gegensatz zu „Manchester by the Sea“ steht bei Laura Lackmanns „Mängelexemplar“ (15.2. + 13.3.) eine Frau im Mittelpunkt. Auslöser einer psychischen Krise ist hier eine fristlose Kündigung und die Trennung vom Lebensgefährten. Während in Lonergans Film nie von einer Therapie die Rede ist, auch keine Psychologen oder Psychotherapeuten vorkommen, lässt Lackmann in ihrer Verfilmung von Sarah Kuttners gleichnamigem Roman ihre Protagonistin ihr Heil in einer Psychotherapie suchen. Weiters werden im Rahmen dieser Filmreihe der Spielfilm „4 Könige“ (1.3. + 21.3..) und der Dokumentarfilm „Ich wollte nicht mehr aufstehen“ (20.2. + 15.3.) gezeigt
Spielboden Dornbirn: verschiedene Termine zwischen 14.2. und 21.3. – jeweils 19.30 Uhr

On the Milky Road

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Manchester by the Sea

Manchester by the Sea

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