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07.09.2017 |  Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (8.9. - 14.9. 2017)

Der Spielboden Dornbirn startet filmisch in sein Herbstprogramm mit einer Bergfilmreihe. Packendes Kino bietet da nicht nur Kevin MacDonalds fulminantes Doku-Drama „Sturz ins Leere“. Im Kunstmuseum Liechtenstein blickt Jasmila Žbanic in „Na Putu – Zwischen uns das Paradies“ auf ein Paar in dem zwischen Moderne und religiösem Fundamentalismus zerrissenen Sarajewo.

Sturz ins Leere: Oscar-Preisträger Kevin MacDonald („Ein Tag im September“) zeichnet in seinem 2003 gedrehten Dokudrama die dramatische Geschichte der britischen Bergsteiger Joe Simpson und Simon Yates nach, die 1985 in den peruanischen Anden den 6344 m hohen Siula Grande bestiegen. Beim Abstieg verunglückte Simpson und wurde von Yates, der seinen Kollegen für tot hielt, zurückgelassen.
MacDonald konzentriert sich ganz auf diese eine Tour. Einerseits inszenierte er teils an Originalschauplätzen, teil in den Alpen mit Schauspielern die Chronologie der Ereignisse nach, andererseits lässt er dazwischen immer wieder Simpson und Yates selbst in Interviews das Geschehen kommentieren. Ein genialer Schachzug ist diese zweite Ebene, ermöglicht sie doch auf Dialog und inneren Monolog in den inszenierten Berg-Szenen zu verzichten und bringt einen reflektierenden Blick aus der Distanz ins Spiel.
Enorme Spannung entwickelt „Sturz ins Leere“ durch fantastische Aufnahmen sowie den Wechsel zwischen Detailaufnahmen, Totalen und Zooms aus den Detailaufnahmen in die Totale, die einerseits die Winzigkeit des Menschen in der gewaltigen Bergwelt vermitteln, andererseits aber auch den Zuschauer hautnah am Geschehen, an der Kälte, den Stürmen und den physischen Anstrengungen teilhaben lassen.
Keine Verherrlichung der Größe der Bergwelt wie bei Arnold Fanck und Leni Riefensthahl gibt es hier, aber auch keine Diskussion über die Sinnhaftigkeit des Bergsteigens. MacDonald beschränkt sich ganz auf die mitreißende Dokumentation der Ereignisse und den unglaublichen Überlebenswillen Simpsons.
Spielboden Dornbirn: Do 14.9. + Di 26.9. - jeweils 19.30 Uhr


Na Putu – Zwischen uns das Paradies:
Nach ihrem beeindruckenden Debüt „Grbavica – Esmas Geheimnis“ setzte sich Jasmila Žbanic auch in ihrem zweiten Spielfilm mit den gesellschaftlichen Spannungen in ihrer bosnischen Heimat auseinander: Lena (Zrinka Cvitešic) und Amar (Leon Lučev), beide um die Dreißig, führen in der pulsierenden Hauptstadt Sarajewo eine glückliche Beziehung. Man genießt das Leben mit Disco-Besuchen und Wochenendausflügen. Doch dann verliert Amar seinen Job und nimmt eine Einladung in ein Ausbildungscamp der radikalen Wahhabiten an. Innerlich völlig verändert kehrt er nach einigen Wochen von dort als ultrakonservativer Moslem zurück. Mit seinen neuen Lebensvorstellungen und –regeln lässt er Lena zunehmend daran zweifeln, ob ihre Beziehung eine Zukunft haben kann.
Obwohl Jasmila Žbanic aus Lenas Perspektive erzählt, vermeidet sie Schwarzweißmalerei und versucht nicht zu emotionalisieren. Nüchtern und vorurteilsfrei blickt sie auf die beiden Protagonisten, die in einer zwischen Moderne und religiösem Fundamentalismus zerrissenen Welt ihren eigenen Platz suchen und dem Originaltitel entsprechend „unterwegs“ sind. Zu drehbuchmäßig rund mag zwar Amars Wandlung sein und zu viele Aspekte seiner neuen religiösen Überzeugung werden nur abgehakt, statt sie differenzierter zu entwickeln, dennoch packt dieses leise Drama dank überzeugender Schauspieler und seiner geradlinig und konsequent erzählten Geschichte.
Kunstmuseum Liechtenstein, Vaduz: Do 14.9., 20 Uhr

Sturz ins Leere

Sturz ins Leere

Na Putu – Zwischen uns das Paradies

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