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06.07.2017 |  Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (7.7. - 13.7. 2017)

Beim Open-Air in Hard brillieren in Stephen Frears "Florence Foster Jenkins" Meryl Streep, Hugh Grant und Simon Helberg. Filmforum Bregenz und TaSKino Feldkirch zeigen dagegen Nicolas Wadimoffs Dokumentarfilm "Jean Ziegler – Der Optimismus des Willens".

Jean Ziegler – Der Optimismus des Willens: Bilder von Kindern, die an Noma leiden, stehen am Beginn und lassen den Globalisierungskritiker und Kämpfer gegen die Macht der Konzerne vom Gesicht des Hungers sprechen und davon, dass jeder Hungertod eines Kindes ein Mord ist. Ausgehend von diesem direkten Einstieg blickt Nicolas Wadimoff mit schwarzweißem Archivmaterial kurz auf die Biographie des 1934 in Thun in eine bürgerlich-calvinistische Familie geborenen Jean Ziegler.
Wadimoff war einst Student des promovierten Soziologen und Politikwissenschaftlers und begleitete ihn für seinen Dokumentarfilm mit der Kamera zu einer G7-Gegendemonstration in München, zu Konferenzen und schließlich nach Kuba. Begeistert war Ziegler nicht nur in den 1960er Jahren von der kubanischen Revolution und Che Guevara, sondern ist es immer noch, ignoriert scheinbar, dass in dem Karibikstaat nicht alles rund läuft.
Der Genfer Regisseur kratzt kaum an der Fassade Zieglers, bohrt nicht nach, hinterfragt nicht, sondern überlässt den ganzen filmischen Raum seinem Protagonisten. So plätschert der Film mehr dahin als ein dichtes Porträt des in seiner Heimat in den 1960er Jahren wegen seiner Kritik an den Schweizer Banken heftig angefeindeten und mehrfach verklagten 83-Jährigen, der immer noch nichts von seinem Engagement verloren hat und gegen Ende des Films die Fackel seines Kampfes gewissermaßen an die Jugend weitergibt.
Filmforum Bregenz im Metrokino Bregenz:
Fr 7.7. + Sa 8.7. - jeweils 22 Uhr
TaSKino Feldkirch im Kino Rio: Do 13.7., 20.30 Uhr; Fr 14.7., 22 Uhr; Sa 15.7., 22 Uhr; Mo 17.7., 18 Uhr

Florence Foster Jenkins: Stephen Frears legt kein Biopic über die legendär schlechte US-Sängerin (1868 – 1944) vor, sondern beschränkt sich auf ihre letzten Lebenswochen.
Während die Protagonistin keinen Ton trifft, trifft der britische Regisseur jeden, hält seinen Film wunderbar in der Balance zwischen Komödie und Drama, erzählt leichthändig und mit viel Einfühlungsvermögen und kann auch auf ein großartig aufspielendes Ensemble vertrauen.
Hinreißend ist Meryl Streep als Florence, lässt ihre Hingabe für die Musik und ihre Herzenswärme spüren, herrlich spielt Hugh Grant mit wunderbarer Zurückhaltung und viel Understatement ihren Ehemann als treusorgend, ihr alles gebend und jedes Übel von ihr so gut wie möglich fernhaltend. Und schließlich ist da noch der Klavierspieler, der immer an seinen Ruf denkt, den „The Big Bang Theory“-Star Simon Helberg umwerfend witzig spielt.
Anders als Xavier Giannoli, der vor einem Jahr in „Marguerite – Die Kunst der schiefen Töne“ die Geschichte der Florence Foster Jenkins ins Frankreich der 1920er Jahre verlegte, geht es Frears nicht um ein breites Gesellschaftspanorama und auch nicht um Satire. Die Abrechnung mit Schmarotzern und Heuchlern, die der begüterten Dame applaudieren, um von ihr Geld zu bekommen, sie aber gleichzeitig hinter vorgehaltener Hand verlachen, bleibt hier im Hintergrund. Der Fokus liegt ganz auf der Leidenschaft von Florence für die Musik und der Beziehung des Ehepaares. So ist „Florence Foster Jenkins“ nicht nur eine Hommage an diese Sängerin, sondern erzählt auch die Geschichte einer großen Liebe, die keine körperliche Erfüllung finden kann.
Stedepark, Festwiese am See, Hard: Sa 8.7., 20.45 Uhr

Jean Ziegler - Der Optimismus des Willens

Jean Ziegler - Der Optimismus des Willens

Florence Foster Jenkins

Florence Foster Jenkins

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