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25.08.2016 |  Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (26.8. - 1.9. 2016)

Die Sommer-Open-Airs neigen sich langsam dem Ende zu. In Vaduz steht diese Woche Danny Boyles grimmiger „Trainspotting“ auf dem Programm, in Rankweil wird Quentin Tarantinos Western „The Hateful Eight“ gezeigt.

Trainspotting: Mit grimmigem Humor erzählt Danny Boyle in seinem 1996 entstandenen zweiten Spielfilm von fünf Jugendlichen in Edinburgh. Im Zentrum ihres trostlosen Lebens stehen Arbeitslosigkeit und Drogensucht. Nuancierte Zwischentöne sind dabei nicht Boyles Sache. Hier wird im Klartext gesprochen: Personengruppen wie Eltern oder Arbeitgeber werden krass überzeichnet, die trostlosen Wohnbedingungen durch die Lichtsetzung betont, das Geschehen durch Einstellungen mit extremen Auf- oder Untersichten akzentuiert.
Grell und plakativ ist dieser Film in jeder Beziehung, doch der Ich-Erzähler Renton (Ewan McGregor) hält nicht nur die abrupt aufeinander folgenden Szenen zusammen, sondern verleiht "Trainspotting" auch seine große Intensität. In jeder Szene ist sein grenzenloser Hass auf die kleinbürgerliche Welt zu spüren und Boyle zeigt alles, ohne je den moralischen Zeigefinger zu heben.
Doch so schockierend das Dargestellte auch ist, so unbeteiligt lässt es den Zuschauer: "Trainspotting" ist auch ein kühler Film, eine Zustandsschilderung, die nicht Anteilnahme weckt mit Hauptfiguren, die in ihrer bewusst eindimensionalen Zeichnung Typen bleiben und nie sympathische Charaktere werden. - Ein gnadenlos böser Blick auf unsere Gesellschaft: Eine wirkliche Hoffnung auf Veränderung gibt es hier nicht.
Filmfest Vaduz, Open-Air auf dem Peter-Kaiser-Platz, Vaduz: Sa 27.8., 22.45 Uhr


The Hateful Eight:
Quentin Tarantino hat seinen nach „Django Unchained“ zweiten Western zwar auf 65mm im Format Ultra Panavision 70 gedreht, doch nicht große Landschaftstotalen und Massenszenen bestimmen diesen Film, sondern er ist vielmehr als dreistündiges Kammerspiel angelegt.
Acht raue Gesellen treffen sich hier während eines Schneesturms in Minnies Miederwarenladen treffen und keiner traut dem anderen. Quasi in Echtzeit und konzentriert auf diesen einen Ort erzählt Tarantino von der Konfrontation dieser alles andere als sympathischen Typen. Praktisch nichts passiert bis kurz vor Tarantinos fix eingeplanter Pause, ganz von den Dialogen und den lustvoll aufspielenden Schauspielern lebt der Film.
Von der ersten Szene an erweist sich der 52-jährige Regisseur dabei wieder einmal als Meister des Slowburn, der Dehnung und Retardierung. Mit größter Ruhe und Langsamkeit entwickelt er Szenen, die langsam aber sicher auf eine Explosion zuzusteuern zu scheinen.
Ist die erste Hälfte des in mehrere Kapitel gegliederten Films - abgesehen von einer kurzen Rückblende – überraschend geradlinig inszeniert, so beginnt Tarantino nach der Pause nicht nur den Zuschauer zunehmend zu düpieren, sondern spart gegen Ende hin auch nicht mit für ihn typischen, grotesk überzogenen blutigen Gewaltszenen. Da meldet sich dann plötzlich ein - im Original von Tarantino selbst gesprochener - allwissender Erzähler zu Wort, der die Inszenierung transparent macht, oder in einer langen Rückblende wird die Vorgeschichte aufgerollt.
So virtuos das freilich auch gemacht ist, so unübersehbar ist auch, dass hier einer wieder einmal seine Künste selbstverliebt und ausgedehnt zelebrieren will und eine kleine Geschichte über alle Maßen aufbläst.
Filme unter Sternen – Open-Air-Kino auf dem Marktplatz Rankweil: Mi 31.8., 21 Uhr

Trainspotting

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The Hateful Eight

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