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24.07.2014 |  Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (25.7. – 31.7. 2014)

Die Open-Air-Veranstaltungen bieten in dieser Woche unter anderem in Altstätten Sabine Boss´ mit vier Schweizer Filmpreisen ausgezeichnete Underdog-Geschichte „Der Goalie bin ig“ und in Vaduz Jeff Nichols´ starkes Jugenddrama „Mud“.

Der Goalie bin ig: Ein Jahr war Ernst, den alle nur Goalie nennen, in Haft, weil er beim Drogenschmuggel erwischt wurde und seine Auftraggeber nicht verriet. Jetzt ist er wieder draußen und träumt von einem Neubeginn, doch schwer tut sich einer mit seiner Vergangenheit Fuß zu fassen, denn Goalie versumpft gern auch einmal beim Bier in der Kneipe.
An Ken Loachs "My Name Is Joe" lässt Sabine Boss´ wunderbar stimmige Verfilmung von Pablo Lenz´ 2010 erschienenem Dialektroman "Der Goalie bin ig" aufgrund des Milieus und der Typen denken. Ganz aus der Perspektive des von Marcus Signer grossartig gespielten Protagonisten erzählt Boss, versetzt den Zuschauer mit Voice-over in seine Perspektive, bietet in kurzen Rückblenden Einblick in seine Kinderfreundschaften, die in die Gegenwart hereinwirken, führt ihn an den Rande des Absturzes und lässt ihn sich doch immer wieder hochrappeln.
Geradlinig ist das erzählt, lebt von der Einbettung in ein atmosphärisch dicht und stimmig eingefangenes Milieu, von lebensnahen Dialogen und bis in die Nebenrollen hinein trefflich besetzten und gespielten Figuren. Dazu kommt eine Musik mit Gitarrenriffs und bluesigen Songs, die die melancholische Stimmung des Goalie zwischen leiser Hoffnung auf Neubeginn und gleichzeitiger Unerreichbarkeit des Glücks wunderbar unterstützt und verstärkt.
Open-Air Kino im Städtli, Kirchplatz Altstätten: Mi 30.7., 21.30 Uhr


Mud: Zwei Jungs stoßen auf einer Insel im Mississippi auf einen Fremden, entdecken zwar bald, dass er von der Polizei gesucht wird, unterstützen ihn aber dennoch bei seinen Fluchtplänen.
Jeff Nichols stammt aus Arkansas und seine bisherigen drei Spielfilme "Shotgun Stories", "Take Shelter" und "Mud" sind fest in diesem Umfeld verankert, entwickeln Leben und Dichte aus diesem Hintergrund heraus. Cinemascope-Format ist für diese Filme zudem ein Muss, denn die Breite der Bilder schafft in den großartigen Totalen von Adam Stone ein Gefühl für die Weite des Raums und erzeugen eine dichte Atmosphäre.
Wunderbar langsam und gelassen, wie der träge dahinfließende Mississippi, entwickelt Nichols die Handlung, die an Mark Twains "Huckleberry Finn" erinnert. Erst im Finale zieht er das Tempo an, lässt die Geschichte in einem Showdown kulminieren. Davor aber setzt der 36-jährige Regisseur statt auf Action auf Personenzeichnung und Herausarbeitung der Beziehungen der Charaktere.
Vertrauen kann er dabei nicht nur auf seine beiden starken Kinderdarsteller Tye Sheridan und Jacob Lofland, sondern auch auf Matthew McConaughey als Mud, Sam Shepard als dessen Ziehvater und Freund sowie perfekt besetzte Nebenfiguren. Das sind für einmal keine glatten Figuren, sondern kernige Typen, in deren Äußeren sich schon manifestiert, wie sehr sie vom Leben gezeichnet sind.
Bewundernswert ist wie Nichols sich auf die Personen konzentriert, wieviel Zeit er sich lässt, wie er auf alle filmischen Mätzchen und Spielereien verzichtet, und ganz klassisch seine hervorragend aufgebaute Geschichte erzählt. – Konventionell ist das zweifellos, doch gerade in diesem Bezug auf die klassische amerikanische Filmtradition bestätigt sich Nichols ein weiteres Mal als großer amerikanischer Filmemacher.
Filmfest Vaduz: Do 31.7., 21.30 Uhr

Der Goalie bin ig

Der Goalie bin ig

Mud

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