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18.07.2013 |  Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (19.7. - 25.7. 2013)

Das TaSKino Feldkirch zeigt diese Woche mit dem rumänischen Film "Mutter und Sohn" den großen Sieger der heurigen Berlinale. Auf dem Programm des Filmforum Bregenz steht dagegen "Una noche", in dem Lucy Mulloy von drei Jugendlichen erzählt, die versuchen mit einem Floß von Kuba nach Florida zu flüchten.

Mutter und Sohn: Ein Mann verursacht einen Verkehrsunfall, bei dem ein Kind getötet wird. Die Mutter des Fahrers unternimmt alles, um ihren Sohn vor dem Gefängnis zu bewahren.
Ganz in der Tradition des neuen rumänischen Kinos steht Calin Peter Netzers bei der heurigen Berlinale mit dem Goldenen Bären ausgezeichneter Film. Wie Cristian Mungiu in seinem Meisterwerk „4 Monate, 3 Wochen, 2 Tage“ entwickelt auch Netzer keine echte dramatische Kinogeschichte, sondern zeichnet quasi in Echtzeit Szenen dokumentarisch nach. Keine Nebengeschichten, keine Nebenfiguren, keine Biographien gibt es hier. In jeder Szene ist die von Luminta Gheorghiu großartig gespielte Mutter präsent. Dabei wird nicht nur eindrucksvoll das Bild einer dominanten Mutter gezeichnet, sondern auch der Riss wird sichtbar, der durch die rumänische Gesellschaft geht.
Dichte gewinnt "Mutter und Sohn" durch die Fokussierung auf dem einen Thema und der Konzentration auf wenige, dafür umso längere Szenen, die von starken Schauspielern und intensiven Dialogen, sowie einer nahe, geradezu voyeuristischen Kamera getragen werden. Auf Musik wird hier konsequent verzichtet, ein Lied setzt erst nach Beginn der Abspanntitel ein. - Netzer will den Zuschauer nicht manipulieren, will nur zeigen und entwickelt in diesem ungeschönten, schnörkellosen und nüchternen Blick auf die Wirklichkeit eine Wucht, der man sich nur schwer entziehen kann.
TaSKino Feldkirch im Kino Rio: Fr 19.7., 22 Uhr


Una noche: Rund 1,1 Millionen Kubaner emigrierten seit der Machtübernahme Fidel Castros im Jahr 1959 von der Karibikinsel in die USA. Da dazu bislang eine Ausreisegenehmigung obligatorisch war, erfolgte dies vielfach illegal und jährlich versuchten einige tausend Kubaner, das nur 90 Meilen entfernte Florida über das offene Meer mit zum Teil selbst gebauten Booten zu erreichen. Eben diesen Plan haben auch die drei Jugendlichen, die im Mittelpunkt von Lucy Mulloys Spielfilmdebüt stehen.
Mit nah geführter Handkamera, schnellem Schnitt und viel Musik beschwört Mulloy eindrücklich die pulsierende Atmosphäre Havannas. Ungebrochen scheint die Magie der Karibikmetropole, wenn die Brandung gegen den Malecón klatscht, doch der Alltag gibt keinen Anlass zu Lebensfreude. Panoramaaufnahmen über die Stadt dokumentieren den Verfall der Häuser. Desolat sind die Wohnverhältnisse, Bettler sitzen in Hauseingängen, Prostituierte bieten ihre Dienste an und die korrupte Polizei ist vor allem damit beschäftigt, die Einheimischen von den Touristen fernzuhalten.
Bestechend und dicht ist „Una noche“ in der Schilderung dieses verlorenen Paradieses, in dem man zwar einerseits immer noch gern bleiben möchte, das einem andererseits aber keine Zukunftsperspektiven bietet und somit zur Flucht geradezu auffordert. Mulloy betreibt keine Schönfärberei, fängt die Realität in ungekünstelten Bildern ein und kann auch auf die drei natürlich agierenden Hauptdarsteller vertrauen.
Die große Stärke dieses Debüts ist diese fast dokumentarische Schilderung des kubanischen Alltags, deutlich an Spannung und Qualität verliert „Una noche“ aber in den Szenen der Flucht. Dass sich das Trio in dieser gefährlichen Lage gegenseitig nervt, wirkt ebenso unglaubwürdig wie eine plötzliche Haiattacke, auch wenn diese in der Karibik zum Alltag gehören dürften.
Filmforum Bregenz im Metrokino Bregenz: Sa 20.7., 22 Uhr

Mutter und Sohn

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Una Noche

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