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15.02.2018 |  Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (16.2. - 22.2. 2018)

Im Alten Kino Rankweil steht diese Woche mit Friedrich Wilhelm Murnaus „Nosferatu“ ebenso ein Klassiker der (Stumm)Filmgeschichte auf dem Programm wie im Kunstmuseum Vaduz mit Sergej Eisensteins „Panzerkreuzer Potemkino“. Einen mitreißenden aktuellen Film zeigt dagegen der Verein allerArt im Rahmen der LeinwandLounge in der Remise Bludenz mit dem Aids-Drama „120 BPM“.

„Nosferatu“ und „Panzerkreuzer Potemkin“: Zu den bahnbrechenden Meisterwerken der Filmgeschichte zählen F. W. Murnaus „Nosferatu“ und Sergej Eisensteins „Panzerkreuzer Potemkin“. Während sich in Murnaus 1922 gedrehter inoffizieller Verfilmung von Bram Stokers „Dracula“ die Stimmung der frühen Weimarer Republik spiegelt, feiert Eisenstein in seinem anlässlich des 20-jährigen Jubiläums der Revolution von 1905 entstandenen Film die Macht des Volkes und prangert Missstände und Unterdrückung an.
Mit extremen Perspektiven, expressivem Licht-Schattenspiel und düsteren Kulissen, aber auch einer berühmten Szene mit Negativbildern evozierte Murnau meisterhaft eine Atmosphäre der Bedrohung und Beunruhigung. Wesentlich zur Wirkung dieses prototypischen Vampirfilms trug aber auch der kahlköpfige Max Schreck in der Rolle des blutsaugenden Fürsten der Finsternis bei.
Stehen bei „Nosferatu“ mit der Konfrontation des Vampirs Graf Orlock und des jungen Angestellten Thomas Hutter Individuen im Zentrum, so wird die Handlung von „Panzerkreuzer Potemkin“ vom Kollektiv vorangetrieben. Den sich gegen die Missstände erhebenden Matrosen des titelgebenden Schiffes und der Bevölkerung von Odessa stellt Eisenstein die Armee gegenüber, die den Aufstand niederschießt. Statt Spiel mit Licht und Schatten sowie Kulissen sorgt hier die Kollision der Bilder für Dramatik. Höhepunkt ist dabei die oft zitierte und kopierte Treppenszene. In immer noch mitreißender Montagetechnik prallen dabei nicht nur Volk und Armee, sondern auch Großaufnahmen und Totalen, Aufwärts- und Abwärtsbewegung, Entsetzen der Machtlosen und rücksichtsloses Vorrücken der Soldaten aufeinander.
„Nosferatu“ - Altes Kino, Rankweil:
Fr 16.2., 20 Uhr
„Panzerkreuzer Potemkin“ - Kunstmuseum Liechtenstein: Do 22.2., 20 Uhr

120 BPM: Robin Campillo zeichnet in seinem Drama mitreißend die Bemühungen Pariser Aktivisten nach, die Anfang der 1990er Jahre versuchen, AIDS eine Öffentlichkeit zu verschaffen.
Hautnah dran und mittendrin ist man bei diesem Zeitporträt. Man spürt in jeder Szene, dass der aus Marokko stammende Regisseur persönliche Erfahrungen verarbeitet hat. Auf weit ausholende Biographien der Protagonisten verzichtet er ebenso wie auf das Privatleben und Nebengeschichten, beschränkt sich weitgehend auf das Hier und Jetzt und das gesellschaftspolitische Engagement.
Campillo übernimmt ganz die Perspektive der Aktivisten, erzählt konsequent aus ihrer Sichtweise. Heftigen, kontroversen und langen Diskussionen über die richtige Vorgangsweise in einem Hörsaal stehen Aktionen gegenüber, bei denen die Aktivisten einen Pharma-Konzern auf- oder heimsuchen, vor einem Gymnasium Informationsmaterial verteilen oder bei der Gay Pride auf die Lage der Aids-Kranken aufmerksam machen und gegen eine Politik demonstrieren, die sich nicht um sexuelle Aufklärung kümmert.
Die Stärke von Campillos Film liegt einerseits im starken, wunderbar natürlich agierenden unverbrauchten Ensemble, andererseits in der Selbstverständlichkeit und Authentizität, mit der er diese Zeit und dieses gesellschaftspolitische Engagement zum Leben erweckt, die historische Realität in bestechender Weise fiktionalisiert und die Vergangenheit durch den Drive und die Leidenschaft der Inszenierung zur Gegenwart macht.
LeinwandLounge, Remise Bludenz: Mi 21.2., 19 Uhr

Nosferatu

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120 BPM

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