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13.04.2017 |  Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (14.4. - 20.4. 2017)

Der Spielboden Dornbirn zeigt im April und Mai wieder zwei Filme aus dem letztjährigen und heurigen Programm des Linzer Filmfestivals Crossing Europe. Den Auftakt macht der letztjährige Siegerfilm „Babai“. TaSKino Feldkirch und Filmforum Bregenz zeigen mit „Tanna“ eine für den Oscar nominierte Romeo-und-Julia-Geschichte aus der Südsee.

Tanna: Ein von jeglicher Zivilisation unberührtes Paradies scheint die 561 km2 große, 2000 Kilometer östlich von Australien gelegene Südseeinsel Tanna zu sein, die dem für den Oscar für den besten nicht-englischsprachigen Film nominierten australischen Drama auch den Namen gab. Nur in der Ferne erbklickt man einmal ein moderneres Holzhaus, während der Stamm der Yakel in Hütten mit Strohdächern wohnt. Die Männer gehen nur mit Lendenschurz bekleidet mit Pfeil und Bogen sowie Machete auf die Jagd, die Kinder spielen unbekümmert an einem traumhaften Wasserfall.
Doch ihre Respektlosigkeit gefällt den Stammesälteren nicht, die dem munteren Treiben rasch Einhalt gebieten. Dass bei diesem Stamm Traditionen über alles gehen, bekommen aber vor allem der Häuptlingssohn Dain und die junge Wawa zu spüren, die sich lieben, aber schon anderen Partnern versprochen sind. Weil sie sich den Stammesregeln nicht fügen wollen, bleibt dem jungen Paar nur die Flucht…
Bildmächtig ist die an Originalschauplätzen gedrehte Liebestragödie mit seinen intensiv grünen Dschungelbildern und dem mächtige Funken sprühenden Vulkan, zu überzeugen verstehen auch die frisch und natürlich agierenden Laienschauspieler. Man spürt im genauen Blick nicht nur die Herkunft des Regieduos Martin Butler und Bentley Dean vom Dokumentarfilm, sondern auch ihre Vertrautheit mit Leuten und Kultur. Sieben Monate lebten sie mit den Inselbewohnern zusammen, um diese Geschichte zu erzählen, die auf tragischen Ereignissen im Jahr 1987 basiert und schließlich ein Umdenken des Stammes auslöste.
Doch so überzeugend „Tanna“ visuell auch ist, so sehr man auch in das ungewohnte Ambiente und die fremde Kultur eintaucht, so verflacht doch mit Fortdauer eher die Spannung als sich zu steigern. Zu holzschnittartig sind die Handlungsentwicklung und die Figurenzeichnung, als dass man wirklich Nähe zu den Protagonisten aufbauen und der Film emotionale Kraft entwickeln könnte.
TaSKino Feldkirch im Kino Rio: Fr 14.4., 22 Uhr; Sa 15.4., 22 Uhr; Mo 17.4., 18 Uhr
Filmforum Bregenz im Metrokino Bregenz:
Do 20.4., 20 Uhr; Sa 22.4., 22 Uhr

 

Babai: Heimlich verschwindet der Vater des zehnjährigen Nori nach Deutschland, allein bleibt der Junge bei der Familie seines Onkels im Kosovo zurück. Doch Nori findet sich damit nicht ab, klaut dem Onkel das Geld, das er als Mitgift für die Hochzeit seines Sohnes gespart hat, kontaktiert eine Bekannte des Vaters, die mit dem Geld für ihn und für sich einen Schlepper bezahlt, der sie nach Deutschland bringt. Dort findet Nori zwar seinen Vater, doch dieser ist, obwohl er den Sohn liebt, wenig erfreut über das Wiedersehen.
Sichtlich beeinflusst vom italienischen Neorealismus erzählt Visar Morina in seinem 2016 mit dem Crossing Europe Award ausgezeichneten Spielfilmdebüt ohne Schnörkel und konzentriert aus der Perspektive des zehnjährigen Jungen. Einfühlsam vermittelt er nicht nur dessen Gefühle, seine Sehnsucht nach dem Vater, aber auch die Enttäuschung darüber, wie er im Stich gelassen wird, sondern bietet auch Einblick in die von Ritualen und Traditionen bestimmte patriarchale Gesellschaft des ländlichen Kosovo.
Spielboden Dornbirn: Do 20.4. + Di 25.4. - jeweils 19.30 Uhr

Tanna

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Babai

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