Benutzerspezifische Werkzeuge

Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

10.07.2014 |  Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (11.7. – 17.7. 2014)

Eine ungemein mitreißende emotionale Achterbahnfahrt bietet Felix van Groeningens „The Broken Circle Breakdown“, der vom Filmforum Bregenz gezeigt wird. Beim Open-Air in Heerbrugg steht dagegen neben anderen Filmen mit „Die schwarzen Brüder“ die Verfilmung eines Jugendbuchklassikers auf dem Programm.

The Broken Circle Breakdown: Der Belgier Felix van Groeningen fackelt nicht lange, sondern wirft den Zuschauer mitten hinein in sein Liebesdrama: Die sechsjährige Maybelle liegt im Krankenhaus, die Eltern erhalten die niederschmetternde Diagnose „Krebs“. Von dieser Szene blendet der Film sieben Jahre zurück zu den Anfängen der Beziehung zwischen der Tatöwiererin Elise und dem Bluegrass-Musiker Didier, erzählt nun aber nicht chronologisch, sondern pendelt ständig zwischen Vergangenheit und Gegenwart hin und her.
Fragmentarisch, aber immer überschaubar bleibt so die Erzählweise und entwickelt allein schon durch das permanente Aufeinanderprallen von glücklichen vergangenen Tagen und beklemmenden Krankenhausszenen große emotionale Wucht.
Gesteigert wird diese aber noch durch die Bluegrass-Musik, die über die Band, in der Didier Banjo spielt und der dann auch Elise als Sängerin beitritt, ins Spiel kommt. Immer wieder kommentieren diese schwermütigen und doch Lebensfreude ausstrahlenden Country-Songs die Handlung und potenzieren die Emotionen.
Ein kitschiges Rührstück könnte das sein, doch die kraftvolle und direkte Inszenierung verbunden mit der Verankerung der Geschichte in einem ebenso beiläufig wie treffend gezeichneten Milieu sowie die ungewöhnlichen Protagonisten erden dieses Liebesdrama. Ungeschminkt und lebensecht wirkt das auch dank der beiden großartig harmonierenden Hauptdarsteller Veerle Baetens und Johan Heldenbergh, die dafür sorgen, dass diese universelle Geschichte über Glück und Trauer, über Freuden und Leiden den Zuschauer unmittelbar und mitten ins Herz trifft, aber nicht deprimiert entlässt.
Filmforum im Metrokino Bregenz: Fr 11.7., 22 Uhr


Die schwarzen Brüder: Groß war die Not der Tessiner Bergbauern im 19. Jahrhundert. Vielfach verkauften sie deshalb ihre Kinder als Kaminkehrer-Gehilfen nach Mailand. Xavier Koller erzählt in seiner Verfilmung von Lisa Tetzners und Kurt Helds 1940/41 erschienenem Jugendbuchklassiker „Die schwarzen Brüder“ am Beispiel des jungen Giorgio (Fynn Henkel) von diesem bitteren Stück Sozialgeschichte.
Beklemmend fängt der Schweizer Regisseur vor allem die klaustrophobische Enge in den heißen und verrußten Kaminen ein, doch insgesamt lotet er die Schrecken der Kinderschicksale nicht konsequent aus. Konflikte und die Entwicklung von Beziehungen werden teilweise arg verknappt und die Tristesse wird immer wieder durch Komik aufgelockert. Allzu simpel wird auch in märchenhaft-poetischen Bildern die Kraft der Solidarität der Schwachen beschworen. Dennoch vermag dieser Jugendfilm dank bildstarker und süffiger Erzählweise, sorgfältiger Ausstattung und Moritz Bleibtreu als diabolischem Kinderhändler Luini spannend zu unterhalten.
Film am Markt, Open-Air beim Bahnhof Heerbrugg: Di 15.7., 21.15 Uhr

The Broken Circle Breakdown

The Broken Circle Breakdown

Die schwarzen Brüder

Die schwarzen Brüder

Artikelaktionen
Newsletter
Erhalten Sie die neuesten Kritiken per E-Mail
(Required)
Bilder
  • The Broken Circle Breakdown The Broken Circle Breakdown
  • Die schwarzen Brüder Die schwarzen Brüder