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31.08.2017 |  Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (1.9. - 7.9. 2017)

Beim Open-Air in Egg steht dieses Wochenende Sebastian Schippers mitreißender Spielfilm "Victoria“ auf dem Programm. Das Filmforum Bregenz zeigt Albert Serras minimalistisches Kammerspiel „La mort de Louis XIV.“.

La mort de Louis XIV: Historienfilme bieten meist große Bauten, prunkvolle Feste und Massenszenen. Albert Serra beschränkt sich in dagegen weitgehend auf das Schlafzimmer des „Sonnenkönigs“ (1638 - 1715). Wird der absolutistische Herrscher in der ersten Szene von seinen Dienern noch im Rollstuhl durch einen Park geschoben, wohnt er in der zweiten wenigstens noch sitzend einem Fest bei, so liegt der von dem Nouvelle-Vague-Star Jean-Pierre Leaud gespielte Monarch in den folgenden gut 100 Minuten nur noch im Bett.
Nicht viel passiert und in langen ruhigen, wunderbar von Kerzenlicht ausgeleuchteten Einstellungen zeichnet Albert Serra auf der Grundlage von medizinischen Berichten und der Memoiren des Herzogs von Saint-Simon die letzten Wochen im Leben Ludwig XIV. nach.
Klaustrophobische Enge entwickelt "La mort de Louis XIV." durch die Beschränkung auf den einen Raum. Gleichzeitig weitet sich der Film dabei aber einerseits durch die Fokussierung auf dem Sterben des Königs zur allgemeinen Reflexion über Tod und Vergänglichkeit, spielt aber auch klug mit dem Widerspruch, dass selbst der mächtigste Mann der damaligen Welt dem Tod nicht weniger machtlos ausgeliefert ist als jeder andere Mensch. Gleichzeitig wird die politische Größe damit auch wieder zu einem Menschen, erhält einen Körper, wenn auch einen verfallenden.
Filmforum Bregenz im Metrokino Bregenz: Fr 1.9., 22 Uhr


Victoria:
Mitreißende Intensität entwickelt Sebastian Schippers vierter Spielfilm durch seine ziemlich einzigartige Inszenierungsmethode. In einer einzigen Nacht zwischen halb fünf Uhr und sieben Uhr morgens hat er zusammen mit seinem Kameramann Sturla Brandth Grøvlen diesen 140-minütigen Film in Echtzeit und in einer Einstellung gedreht.
Hautnah an den Figuren und mittendrin im Geschehen ist man so, wenn die junge Spanierin Victoria beim Verlassen einer Berliner Disco auf vier Typen trifft, mit ihnen ein Gespräch beginnt und durch die Straßen zieht. Was als ausgelassenes nächtliches Treiben beginnt, wandelt sich aber schließlich in bitteren Ernst. Denn als das Quartett Maria bittet, für sie einen Wagen zu lenken, ist sie bald in einen Banküberfall verwickelt.
So sehr man freilich auch diese filmische Tour de Force bewundern muss, so lebensecht und intensiv die Schauspieler agieren, deren Figuren ein Spektrum unterschiedlichster Gefühle von Ausgelassenheit bis extreme Anspannung, von leidenschaftlicher Liebe bis zu tiefster Verzweiflung durchlaufen, so sehr lassen doch haarsträubende Unglaubwürdigkeiten im Verhalten der Protagonisten den Zuschauer bei diesem atmosphärisch ungemein dichten Filmexperiment den Kopf schütteln und sich dem Sog, den die Erzählweise entwickelt, immer wieder entziehen.
Open-Air im Egger Park, Egg (bei Schlechtwetter in der Parkhalle): Sa 2.9., 21 Uhr



La mort de Louis XIV.

La mort de Louis XIV.

Victoria

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