Benutzerspezifische Werkzeuge

Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

28.06.2016 |  Peter Füssl

Xenia Rubinos: Black Terry Cat

Wenn die 31-jährige in Brooklyn lebende Xenia Rubinos mit ihrem zweiten Album „Black Terry Cat“ nicht den ganz großen Durchbruch schafft, dann ist das Musikbusiness wirklich nicht mehr zu retten. Denn diese aberwitzig geniale, höchst anspruchsvolle, aber dennoch leicht zugängliche Mischung aus R’n’B, Soul, Funk, Jazz, Hip-Hop, Electronic und Latin-Elementen ragt meilenweit aus dem Meer an Durchschnittsveröffentlichungen heraus.

Rubinos hat in Berklee Gesang studiert und überzeugt in jeder Gemütslage – ob zornig-aggressiv, ironisch-heiter, sarkastisch oder wenn sie Vorbildern wie Billie Holiday oder Nina Simone in Sachen Gefühlstiefe nacheifert. Zwar spielt sie seit ihrem vierten Lebensjahr Klavier, aber beim Komponieren und auf der Platte bedient sich Rubinos lieber des Basses, um den gängigen Klischees zu entkommen. Das macht das musikalische Gebräu zudem auch noch geradliniger, ein Effekt, der durch die gnadenlos in den Vordergrund gemischten Drums ihres Langzeit-Wegbegleiters und Produzenten Marco Buccelli noch gedoppelt wird. Mitreißende Grooves, extravagante Soundideen und permanente Rhythmus- und Tonartenwechsel, die weder aufgesetzt wirken noch den Drive stören, potenzieren das Hörvergnügen. Dem Zufall ist da nichts überlassen – gemeinsam mit Buccelli und Toningenieur Jeremy Loucas arbeitete sie fünf Monate lange täglich und äußerst intensiv am neuen Album. Kraftvoll wie Rubinos Stimme sind auch die sozialkritischen Texte, in denen sich die Tochter eines Kubaners und einer Puerto Ricanerin spitzzüngig und schonungslos mit der Mehrklassengesellschaft, die „Blacks“ und „Browns“ in allen Lebenslagen benachteiligt, auseinandersetzt. Auf ironische Weise widersetzt sie sich auch als Frau allen gängigen Klischeebildern und setzt ihr zahnlückiges Kinderportrait auf das Plattencover. „Oh with the same teeth I smile, I bite you – Oh with the same lips I kiss, I lie too – Oh with the same hands, that feed I stab you – Oh just like I love, I kill, I kill you.“ Klingt gefährlich. Das macht die Sache richtig spannend.

(Anti)

Artikelaktionen
Newsletter
Erhalten Sie die neuesten Kritiken per E-Mail
(Required)
Bilder
  • Xenia Rubinos.jpg