Benutzerspezifische Werkzeuge

Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

09.01.2018 |  Peter Füssl

The Weather Station

Stimmlich und von der Atmosphäre der Songs her, würde Tamara Lindeman vermutlich jeden Joni Mitchell-Ähnlichkeitswettbewerb locker gewinnen, die 33-Jährige, vor allem auch als Schauspielerin aktive Singer-Songwriterin hat aber selbst auch eine Menge zu sagen. Auf den elf Titeln des vierten Albums ihres Projekts The Weather Station singt sie in einer Art lyrischer Prosa wortreich und –gewaltig über Beziehungsprobleme und analysiert Liebesleid und Liebesfreuden aus einer selbstbewussten, feministischen, oft auch ironisch gebrochenen Sicht.

Für ihre fast schon shortstory-artigen Songtexte fischt sie die Themen direkt aus dem realen Alltagsleben, manches erscheint fast schon tagebuchartig, und so finden zum Beispiel auch Natur- und Umweltthemen ihren Platz. Während sich Lindeman auf dem Cover des Vorgänger-Albums „Loyalty“ nur von hinten abbilden ließ, blickt sie nun frontal in die Kamera – in Schwarzweiß, völlig ungeschminkt und schmucklos, aber einen langen Schatten hinter sich werfend. Ein passenderes Symbolfoto für die Ehrlichkeit und unverstellte Direktheit, mit der die Kanadierin in den Texten die Licht- und Schattenseiten ihres Daseins angeht, hätte sich nicht finden lassen. Hier wird einmal ordentlich aufgeräumt in der eigenen Psyche. Musikalisch bewegen sich The Weather Station im ruhigen Folk-Terrain, dieses Mal aber mit vermehrten Indie-Pop-Anleihen, mutigeren Gitarrenparts und das Soundspektrum erweiternden und Stimmungsbilder evozierenden Streichern. Lindemans Arrangements wirken weit ausgetüftelter als auf den Vorgängeralben und eröffnen damit erfreuliche Zukunftsperspektiven. Keineswegs nur Joni Mitchell- oder Aimee Mann-Fans sollten The Weather Station für sich entdecken.

(Paradise of Bachelorw/Cargo)

Artikelaktionen
Newsletter
Erhalten Sie die neuesten Kritiken per E-Mail
(Required)
Bilder
  • The Weather Station.jpg