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15.12.2016 |  Silvia Thurner

STRINQUANTET. auf der suche nach der stille. Freifeld Tonträger, 2016

„strinquantet“ mit dem Geiger Simon Frick, der Bratschistin Judith Reiter, Maria Frodl am Cello und Thomas Stempkowski am Kontrabass begaben sich für ihr neuestes Album improvisierend auf „die suche nach der stille“. Die vier Streichinstrumente fügen sich zu einem organischen Ganzen zusammen, entwickeln eine große Sogwirkung mit facettenreichen rhythmischen Patterns und einem atmenden Auf- und Abtauchen der einzelnen Instrumentalfarben. Wer erwartet, dass die vier Streicher auf einen üppigen Sound setzen, irrt. Viel mehr entfalten sie fein verwobene Klangteppiche, kreieren erzählende Naturbilder und lassen jedem Einzelnen viel Freiraum für eigene Assoziationen.

Im Wiener Verein „freifeld“ treffen sich seit einigen Jahren jede Woche Musikerinnen und Musiker, um innovative musikalische Ideen auszutauschen und Konzerte zu geben. Diese „Freistunden“ werden auf der Homepage als livestream publiziert. Einzelne Projekte münden in einen eigenen Tonträger des gleichnamigen Labels. Hier fanden auch Simon Frick, Judith Reiter, Maria Frodel und Thomas Stempkowski ein Podium, um ihrer spontan entstehenden Musik eine breite Basis zu geben.

Mit scratchenden Bogengeräuschen, perkussiven und reibenden Geräuschen führen die Musiker gleich zu Beginn in medias res. In „Mars“ lässt das Spiel mit Geschwindigkeiten, mikrotonalen Verschiebungen und Korrespondenzen zwischen den einzelnen Instrumenten unterschiedlichste musikalische Szenerien entstehen. Stets neue Klangfacetten der Streicherbesetzung leuchten auf. Besonders warm wirkt der Sound immer dann, wenn das Cello in den Klangvordergrund tritt.

„Ghostwalk“ nennt sich eine Nummer, die schwerelos in höchste Regionen gleitet, so dass der musikalische Fluss einen imaginären Charakter annimmt. Als Folge des Einen auf das Andere können die nachfolgenden Stücke gehört werden, denn musikalische Gedanken, die beispielsweise in „Ghostwalk“ angedeutet wurden, verdichten sich in „Metal“ über einem heraus kristallisierten Groove und einem expressiven Violinsolo. Der Tag- und Nachtgleiche setzen die Musiker in „Äquinoktium“ ein Denkmal. Pizzicatofiguren implizieren das Ticken der Zeit und schaffen Raum für eigene Assoziationen.

Einem musikalischen Fexierbild gleich kann man im „Spiegelkabinett“ einzelnen melodischen Patterns und Umwandlungen nachspüren. Der „Rundumschlag“ kommt auf leisen Sohlen daher, kreisende Bewegungen und luftig leichte perkussive Passagen aus Luftgeräuschen bilden einen schönen Einstand in das abschließende Nocturne.

Wer feinsinnig und geistreich ineinander verwobene Sounds mag und vier Streicher als hervorragend aufeinander abgestimmtes organisches Gefüge erleben möchte, wird bei der „suche nach der stille“ von „strinquantet“ fündig.

www.stinquantet.com

www.freifeldtontraeger.com

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