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02.10.2018 |  Peter Füssl

Rebekka Bakken: Things You Leave Behind

"Little Drop of Poison" hieß das 2014 erschienene Bigband-Album, in dem Rebekka Bakken die schrägen Songs des genialen Tom Waits über all die Säufer, Misanthrophen und Liebeskranken verblüffend originell ganz zu ihren eigenen machte. Dieser Gifttropfen wirkt wohl noch immer - und zwar äußerst belebend!

Wie Waits schlüpft die Norwegerin in den neun selbst geschriebenen Songs von "Things You Leave Behind" in verschiedenste Rollen, erzählt aus unterschiedlichsten Perspektiven mehr oder weniger verrückte Geschichten oder räsoniert auf unkonventionelle Weise über Liebe und Leben. Das kommt alles direkt und unverstellt herüber und wirkt im Vergleich zu manchen früheren Produktionen Bakkens wie ein kraftvoller Befreiungsschlag, zumal ihre Stimme mit den Jahren ungemein an Charakter gewonnen hat. Sie geht in einem Maße aus sich heraus, das man so bislang nicht an ihr kannte und nutzt ihr zunehmend breiter werdendes Spektrum an Ausdrucksmöglichkeiten, gibt sich selbstbewusst, ironisch oder verletzlich und moduliert die Töne mühelos zwischen erdig rau und klar und hell. Bakken hat ihre Zelte in New York abgebrochen und lebt nun wieder in Oslo, wo sie sich eine Band aus erstklassigen skandinavischen Musikern zusammengestellt hat, die die stilistische Vielseitigkeit der Singer-Songwriterin perfekt umzusetzen verstehen. Vom unter die Haut gehenden, souligen Opener "Closer" (eine neue Dimension des "Northern Soul"!), über das lässig New-Orleans-Sound infizierte "Black Shades" zum chansonartigen Titelstück, vom poppigen "Yankee Days", über die dramatische Ballade "Shelter" zum stimmungsvollen Gitarrenfolk von "True North" oder zum Vintage-Jazz von "Charlie". Zwei Fremdkompositionen, Cyndi Laupers "Time After Time" und der exzellente Titelsong aus dem obskuren norwegischen 1980-er Jahre Film "Hotel St. Pauli", hat die Sängerin als persönliche Lieblingslieder ebenfalls dazugenommen. Ein Abschieds- und zugleich Aufbruchsalbum - Bakkens bislang bestes überhaupt, und das mag angesichts ihres Oeuvres etwas heißen.

(OKeh/Sony) 

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