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19.07.2016 |  Peter Füssl

Paul Simon: Stranger to Stranger

The idea is not to just make another album, the idea is to make something that’s really worth a listen.“ Diese Ansage des mittlerweile 74-jährigen Paul Simon, der in den 1960/70-er Jahren im Duo mit Art Garfunkel ebenso Pop-Geschichte geschrieben hat wie mit seinen späteren Soloproduktionen „Graceland“ oder „The Rhythm Of The Saints“ ist nicht Koketterie, sondern darf ruhig wörtlich genommen werden. Denn die Vorliebe des 12-fachen Grammy-Gewinners für wirklich außergewöhnliche Sounds und raffinierte Rhythmen, sein unglaubliches Talent für das Erfinden leicht ins Ohr gehender Melodien und seine Offenheit gegenüber neuen produktionstechnischen Möglichkeiten machen auch sein 13. Soloalbum – selbst für weit jüngere Generationen – durchaus hörenswert.

So holte sich Simon etwa eine Flamenco-Truppe ins Studio, um deren Klatsch- und Schuhsohlen-Rhythmen aufzunehmen und zu einem auf mehreren Stücken eingesetzten Sample zu verarbeiten, und drei Stücke ließ er sich vom italienischen Electronic Dance Music-Experten Clap!Clap! rhythmisch veredeln. Natürlich spielt auch Paul Simons Faible für Worldmusic – vorzugsweise der afrikanischen und brasilianischen – wieder eine zentrale Rolle. Aber dieses Mal sorgen auch die selbstgebauten Instrumente mit abenteuerlichen Namen wie Chromelodeon oder Cloud-Chamber-Bowls des amerikanischen Soundtüftlers Harry Patch für Exotik, denn dessen mikrotonale Systeme erstrecken sich – im Gegensatz zu den gängigen 12 Untertönen der abendländischen Oktave – auf bis zu 43 Töne. Titel wie „The Werewolf“, „Wristband“, „Street Angel“, „Cool Papa Bell“, „Insomniac’s Lullaby“ oder das Titelstück „Stranger to Stranger“ reihen sich als ganz große Songwriter-Kunst in die Paradestücke Paul Simons ein, der sich auch von den – mal ironischen, mal poetischen – Texten her durchaus auf der Höhe der Zeit bewegt. Produziert wurde das durch und durch gelungene Album vom 81-jährigen Roy Halee, der schon vor 50 Jahren bei all den Simon & Garfunkel-Klassikern, aber auch 1986 bei „Graceland“ an den Reglern saß und für einen wunderbar transparenten Klang sorgte. „Stranger to Stranger“ wird sich vermutlich nicht wie „Bridge Over Troubled Water“ 25 Millionen mal verkaufen, aber die ungebrochene Experimentierfreude des legendären Singer-Songwriters mit der immer noch jugendlich klingenden Stimme ist zutiefst beeindruckend. „Der richtige Song zur richtigen Zeit geschrieben, kann über Generationen hinweg bestehen, ein wundervoller Klang ist für die Ewigkeit.“ Paul Simon muss es wissen.

(Concord/Universal)

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