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07.08.2018 |  Peter Füssl

Neko Case: Hell-On

Auf dem Cover ist Neko Case mit einer äußerst eigenartigen, aus Zigaretten bestehenden Perücke abgebildet, aus ihrer Schulter lodern von dunklem Rauch umfangene Flammen empor. Ein ironischer Hinweis auf die Tatsache, dass ihr Farmhaus in Vermont just in jenem Moment niederbrannte, als sie in Stockholm mit ihrem Ko-Produzenten Björn Yttling den Song „Bad Luck“ aufnahm. Case meinte aber auch in einem Interview, dass sie bei der Cover-Gestaltung mit der Graphikerin darüber feixte, dass die Zigarette das passend Symbol in einem imaginären Familienwappen für jene Unterschichtsfamilie wäre, aus der sie stamme.

Fünf Jahre nach ihrem letzten Solo-Album „The Worse Things Get, The Harder I Fight, the Harder I Fight, the More I Love You“ präsentiert die 48-jährige amerikanische Singer-Songwriterin auf „Hell-On“ zwölf neue Songs, die in gewohnt enigmatischer Form und unter Verzicht auf die Strophe-Refrain-Strophe-Form Autobiographisches enthalten, aber auch ihre Standardthemen – geschundene Natur und fehlendes ökologisches Bewusstsein – behandeln. Ohne Zeigefinger, vielmehr ein bisschen schräg und selbstkritisch. Case bettet die Texte in elaborierte Arrangements, die ihre ausdrucksstarke und eindringliche Stimme perfekt ins Rampenlicht rücken, setzt dabei aber vorwiegend auf mittlerweile mainstreamigen Country-Pop mit gelegentlichen rockigen Einschüben. Alternative-Stars wie K.D. Lang, Laura Veirs, Robert Forster oder Beth Ditto unterstützen sie bei den Backing Vocals, „Calexico“-Mastermind Joey Burns zupft für sie den Bass und spielt das Piano. Die bemerkenswerteste Kooperation ist aber ein Duett von Neko Case mit Mark Lanegan, „Curse of the I-5 Corridor“, dem in seiner ausgefeilten Dramaturgie auch musikalisch interessantesten Stück ihres fünften Solo-Albums. Am anderen Ende der Skala ist das überaus schmachtende „Sleep All Summer“ angesiedelt, das Case mit „Crooked Finger“-Leadsänger Eric Bachmann intoniert. Man fragt sich, weshalb die erstklassige Songwriterin ausgerechnet diesen Song als einzige Fremdkomposition auf ihre neue Platte genommen hat, die sie gesamthaft nicht unbedingt von ihrer experimentierfreudigsten Seite her zeigt.

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