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01.02.2014 |  Peter Füssl

Michael Wollny: Weltenraum

Der 35-jährige Pianist Michael Wollny gilt längst als Überflieger der deutschen Jazz-Szene und hat in den letzten Jahren solo, im Duo mit dem Saxophonisten Heinz Sauer und mit seinem Trio [em] alles an Preisen abgeräumt, was es abzuräumen gab. Wer Wollny trotz eines guten Dutzends an Alben noch nicht kennt, kann „Weltenraum“ als passende Einstiegsdroge verwenden, denn der ursprünglich überlegte Titel „My Standards“ weist schon darauf hin, dass es hier um für den Pianisten Essentielles geht.

Auf „Weltenraum“ macht sich Wollny auf gewohnt unkonventionelle Weise Kompositionen von Guillaume de Machaut über Alban Berg, Varèse und Hindemith bis zu Wolfgang Rhim, und von den „Flaming Lips“ über Jon Brion bis zu P!nk zu eigen, findet völlig neue Zugänge, dekonstruiert und verdichtet, geht stets respektvoll mit dem Material um und lotet trotzdem seine Grenzen aus. Trotz des über weite Strecken elegischen Grundcharakters dieses Albums lassen [em]-Drummer Eric Schaefer und der amerikanische Bassist Tim Lefebvre (man kennt ihn von Uri Caine oder Bill Frisell) durchaus auch mal die Muskeln spielen und spornen Wollny gnadenlos groovend zu pianistischen Höchstleistungen an – etwa das von Peter Ivers/David Lynch geschriebene „In Heaven“ aus dem avantgardistischen Film-Klassiker „Eraserhead“ wird so zum wunderbar schrägen Blues. Und wie das Trio mit stimmgewaltiger Unterstützung von special guest Theo Bleckman P!nks Riot-Girl-Hymne „God is a DJ“ erst in ätherische Sphären hebt, um es dann auf rasante Fahrt zu bringen und es schließlich wieder in ruhigen Gefilden zu besänftigen, ist bei weitem nicht das einzig Verblüffende dieses an Überraschungen reichen Albums.
(ACT)

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