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27.12.2015 |  Peter Füssl

Mette Henriette

Wenn Manfred Eicher eine 25-Jährige gleich mit einem Doppelalbum auf seinem Label debütieren lässt, darf man sich sicher sein, dass man es mit einem Ausnahme-Talent zu tun hat.

Mette Henriette Martedatter Rølvåg, die wohl der Einfachheit halber nur unter ihren beiden Vornamen in Erscheinung tritt, bestätigt diese Vermutung sowohl im Trio mit Johan Lindvall am Piano und Katrine Schiøtt am Cello, als auch mit ihrer 13-köpfigen Sinfonietta, in der neben dem Trio unter anderem auch noch das Cikada String Quartet, Trompeter Eivind Lønning, Schlagzeuger Per Oddvar Johansen oder der Bandoneonspieler Andreas Rokseth mitwirken. Es sind zum Teil nur ein bis zwei Minuten dauernde Miniaturen, in denen Mette Henriette an stimmungsvollen Klangbildern malt, die trotz aller Zartheit und Behutsamkeit vor innerer Intensität fast zu bersten scheinen. Dazu reichen manchmal schon die bloßen Atemgeräusche der kompositorisch und spieltechnisch gleichermaßen einfallsreichen Saxophonistin. Ob lyrisch Verträumtes, Zerbrechliches oder kraftvoll Expressives, es geht zumeist weniger um Melodien als um ausgefallene Soundideen und harmonische Entdeckungsreisen, wobei die junge Norwegerin stets auf die musikalische Substanz jenseits einer Effekthascherei achtet. Komposition und freie Improvisation, mit der sich Mette Henriette in den vergangenen Jahren vorwiegend beschäftigt hat, gehen ebenso unmerklich ineinander über, wie sie die Genregrenzen zwischen Jazz und Neuer Musik hinter sich lässt. Ihre unkonventionelle musikalische Welt erschließt sich nur bei konzentriertem Zuhören, wenn man sich aber einmal in sie hineinfallen hat lassen, eröffnen sich faszinierende Hörerlebnisse.

(ECM/Vertrieb: www.lotusrecords.at)

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