Benutzerspezifische Werkzeuge

Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

03.07.2018 |  Peter Füssl

Marcus Miller: Laid Black

Welch ein Groove, welch eine Kraft und dennoch gleichzeitige Relaxtheit! Hatte Marcus Miller vor drei Jahren auf seinem mit zahlreichen Ethno-Einflüssen durchsetzten Album „Afrodeezia“ noch die Suche nach seinen persönlichen Wurzeln festgehalten, so kehrt er mit „Laid Black“ nun eindrucksvoll zu jenen musikalischen Gefilden zurück, die ihn als rechte Hand von Miles Davis und als begehrten Studiomusiker in den 1980-er Jahren berühmt gemacht haben: zu Jazz und Funk.

Natürlich ist Millers ungemein lässiger E-Bass permanent präsent, aber er deckt mit seiner Virtuosität nicht alles zu, sondern denkt stets an den Gesamtsound und lässt den hochtalentierten Jungmusikern seiner Band viel Raum, ihr Können in einer alle Genre-Grenzen zwischen Bebop und Hip-Hop sprengenden Musikmischung ins bestmögliche Licht zu rücken. Auch die exzellenten Gäste liefern mehr als nur draufgesetzte Sahnehäubchen: Trombone Shorty bringt auf „7-T’S“ mitreißendes New Orleans-Flair ein, Kirk Whalum und Alex Han liefern sich im knapp achtminütigen „Preacher’s Kid“ eine von den Edelsängern Take 6 vokal umsponnene Sax-Battle. Die acht Eigenkompositionen von Marcus Miller bewegen sich abwechslungsreich zwischen High-Energy und Balladen-Schmelz und wirken dennoch wie aus einem Guss. Die einzige Fremdkomposition ist – wahrscheinlich für viele überraschend – ausgerechnet das von Doris Day in den 1950-er Jahren zum Evergreen gemachte „Que Sera Sera“, allerdings beruft sich Miller nicht auf diese allgemein bekannte Version, sondern auf das Cover von Sly and the Familiy Stone aus dem Jahr 1973. Das erklärt auch die außergewöhnlich blues-, soul- und gospellastige Interpretation des sonst vielfach zu Tode gedudelten Hits, in der sich die junge belgische Sängerin Selah Sue zeitweise fast schon Janis Joplin-mäßig hineinsteigert und auch Gitarrist Adam Agati die 70-er Jahre hochleben lässt. Hier mögen sich vielleicht die Geister scheiden, ich halt’s für den Überdrüberknüller im sicherlich lässigsten Jazz-Funk-Album dieses Sommers. Gute-Laune-Garantie! (Blue Note/Universal)  

Konzert-Tipp: Am 7.7. wird Marcus Miller im Ulmer Zelt in Ulm spielen, am 17.7. beim Jazzopen in Stuttgart.

Artikelaktionen
Newsletter
Erhalten Sie die neuesten Kritiken per E-Mail
(Required)
Bilder
  • Marcus Miller.jpg