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21.12.2017 |  Peter Füssl

Lunatic Soul: Fractured

Als Freund innovativen zeitgenössischen Tanzes kann man naturgemäß auch spannende musikalische Entdeckungen machen – so geschehen bei der gleichermaßen kraftstrotzenden wie poetischen und tiefgründigen Tanzproduktion „Leviathan“ des englischen Star-Choreographen James Wilton, der als Soundtrack die wirkungsmächtige Musik von Lunatic Soul verwendete. Hinter diesem Namen verbirgt sich der polnische Komponist, Sänger und Bassist der Progressive-Metal-Band Riverside Mariusz Duda.

Das auch optisch sehr schön und passend aufgemachte „Fractured“ ist die musikalische Verarbeitung zweier großer Verlusterlebnisse – 2016 starben ein Freund und Bandkollege sowie der Vater des Musikers. „I want to feel what it’s like when sorrow turns into strength“ lautet eine Textzeile, die als Motto für das gesamte Projekt gelten darf. Die bis zu 12 Minuten langen Stücke sind durch extrem starke Rhythmen geprägt, gehen für Lunatic Soul-Verhältnisse sehr leicht ins Ohr, sind aber musikalisch unglaublich vielschichtig angelegt und halten bei mehrmaligem Zuhören immer wieder neue Überraschungen bereit. Dudas exzellentes Bassspiel ist die Grundierung für wunderschöne, elektronisch generierte Soundlandschaften, die nahezu hypnotische Wirkungen entfalten und zum Wegträumen einladen. Er lässt die Kälte zersplitterten Seelenlebens auf Passagen von wohliger Wärme prallen. Letzteres wird unter Einbeziehung akustischer Instrumente, in den Stücken „Crumbling Teeth And The Owl Eyes“ und „A Thounsand Shards of Heaven“ auch mit den Streicherklängen des Sinfonietta Consonus Orchestra inszeniert. „Fractured“ ist trotz oder vielleicht wegen der persönlichen emotionalen Aufladung ein progressives Meisterwerk geworden, das mit weitgehend minimalistischen Mitteln ein Maximum an Wirkung erzielt.

(Kscope)

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