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18.04.2017 |  Peter Füssl

José James: Love In A Time Of Madness

Wenn José James erklärt, er wende sich vom Jazz ab, weil er künftig ein größeres Publikum erreichen wolle, ist es gut zu wissen, dass der Mann aus Minneapolis seine Wurzeln ohnehin im Hip-Hop, Soul und Power-Funk-Pop eines Prince hatte, ehe er via John Coltrane die Liebe zum Jazz entdeckte und beispielsweise seiner Säulenheiligen Billie Holiday mit „Yesterday I Had The Blues“ vor zwei Jahren eine unglaublich schöne Hommage widmete.

Es war also kein allzu großer Schritt für José James, seine Jazz-Crew in die Wüste zu schicken und sich, wie im Fall von Produzent Tario Holmes, mit absoluten Könnern aus dem Hip-Hop und R’n’B-Bereich zu umgeben, die ihm die perfekt passenden Sounds und Arrangements auf den Leib schrieben. Als Orientierungshilfen dienten dabei sicherlich angesagte Acts wie Kanye West, Grimes, FKA Twigs, Ellie Goulding oder Drake. Der elektronische Anteil an der Musik ist sehr hoch, James’ warmer und ausdrucksvoller Bariton verliert dadurch aber keineswegs an Wirkung. Die meisten Songs finden ihren Weg ebenso leicht in die Beine wie in die Ohren – manche vielleicht sogar zu leicht, echte Experimente sind die Ausnahme. Als Duett-Partner holte sich James den jungen Kortney Jamaal Pollard, der unter dem Namen Mali Music einiges Aufsehen in Hip-Hop- und R’n’B-Kreisen erregt hat, und Soul-Sängerin Oleta Adams, die durch ihre Zusammenarbeit mit den britischen New Wavern Tears For Fears einem größeren Publikum bekannt wurde. „Love In A Time of Madness“ hätte ursprünglich ein Doppelalbum werden sollen, in dem es um die Kraft der Liebe angesichts der Widrigkeiten und Ungerechtigkeiten des täglichen Lebens geht, mit denen die schwarze Bevölkerung in den USA permanent konfrontiert ist. Der gesellschaftspolitische Teil sei aber dermaßen deprimierend ausgefallen, dass er ihn lieber gekippt habe, erklärte José James. Was nicht heißen soll, dass die Liebesthematik nicht auch einigen Sprengstoff beinhaltet, denn von einer rosaroten Brille ist der Sänger, der 2008 mit „The Dreamer“, einer Hommage an Martin Luther King, debütierte und Marvin Gaye verehrt, natürlich meilenweit entfernt.

(Blue Note/Universal)

 

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