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09.10.2018 |  Peter Füssl

José James: Lean On Me

Obwohl Bill Withers drei Grammys im Regal stehen hat und einige seiner Songs in unzähligen Coverversionen erschienen sind und gerne gesamplt werden, wäre sein 80. Geburtstag im Juli vermutlich ohne viel Aufhebens über die Bühne gegangen, weil er sich schon vor mehr als 30 Jahren von der Bühne verabschiedet hat. Nun wird sich – dank der ihm gewidmeten Hommage des exakt 40 Jahre jüngeren José James – das Interesse an der Soul-Funk-Legende, die in den 1970er-Jahren ihre Höhepunkte erlebte, wohl wieder gewaltig steigern.

Der New Yorker, der schon 2015 bei seinem aufsehenerregenden Billie Holiday-Projekt viel Fingerspitzengefühl bewiesen hat, nähert sich auch den Withers-Hits respektvoll und bringt nur wohldosiert Neuerungen ein, ohne den Reiz der Originale zu zerstören. Produziert von Blue Note-Chef Don Was läuft José James mit seinem ausdrucksvollen, warmen Bariton zur Höchstform auf und interpretiert etwa das bereits in mehr als 350 Versionen aufgenommene "Ain't No Sunshine" so frisch und unverbraucht, als wäre es nicht schon bald fünfzig Jahre alt. "Bill schrieb Songs, die du dein ganzes Leben lang liebst. Ich wollte seine Musik nicht mit Hip-Hop-Beats unterlegen oder sie mit zehnminütigen Bebop-Soli dekonstruieren. Da gibt es nur eines: mit einer Killerband im Studio aufkreuzen, das Band laufen lassen und die Stimmung einfangen. Wir haben einfach die Songs gespielt", erzählt James. In der Tat haben Gitarrist Brad Allen Williams, Keyboarder Kris Bowers, Bassist Pino Palladino und Drummer Nate Smith – unterstützt von Gästen wie Saxophonist Marcus Strickland oder Trompeter Takuya Kuroda – tief in der 70-er-Jahre-Soul-Funk-Wundertüte gegraben, um den perfekten Soundtrack für die vokalen Exkursionen des Bandleaders zu liefern. "Lean On Me", "Grandma's Hands" oder Bill Withers' letzter Hit, das 1981 mit Grover Washington aufgenommene "Just The Two of Us", erweisen sich in diesen stilsicheren und geschmackvollen Versionen als absolut zeitlos. Auch einige mittlerweile in Vergessenheit geratene, kleinere Hits, wie die unter die Haut gehende Ballade "Hope She'll Be Happier" oder das verzweifelte "Better Off Dead", erweisen sich als echte Trouvaillen. Da ist dem wendigen Stil-Chamäleon José James, der sich uneitel in den Dienst der Songs stellt, ein absolut staub- und kitschfreies Retro-Projekt gelungen.    

(Blue Note/Universal)

 

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