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14.12.2017 |  Peter Füssl

Jazz at Berlin Philharmonic VIII. Stefano Bollani Trio: Mediterraneo

Wer könnte besser durch einen italienischen Abend im Spannungsfeld von Klassik, Jazz, Filmmusik bis hin zum Adriano Celentano-Hit „Azzurro“ führen, als der mit allen musikalischen Wassern gewaschene Pianist Stefano Bollani? Der Mailänder ist nicht nur ein exzellenter Techniker, sondern auch einer, der gerne alle stilistischen Grenzen hinter sich lässt und vor kreativen Ideen – inklusive musikalischem Schabernack – nur so sprüht.

Mit seinem „dänischen Trio“ mit Bassist Jesper Bodilsen und Drummer Morten Lund spielt der ungemein rührige und vielseitige Bollani seit rund fünfzehn Jahren zusammen, man ist also bestens aufeinander eingespielt und kann sich deshalb auf die eher ungewohnte Begegnung mit vierzehn Berliner Philharmonikern konzentrieren. Die wirken genau die ersten 36 Sekunden lang wie ein Klassikorchester, um sich dann schlagartig in ein großformatiges Jazzensemble zu verwandeln, das sich in den maßgeschneiderten Arrangements des gewieften norwegischen Komponisten und Arrangeurs Geir Lysne hörbar wohlfühlt. Verstärkt durch den französischen Top-Akkordeonisten Vincent Peirani, der nicht nur hörenswerte Soli, sondern auch jede Menge zusätzlicher Klangfarben beisteuert, schwelgt man in wunderbar eingängigen Melodien, gibt sich melancholischen, fast schon kitschig schönen Stimmungsbildern hin, suhlt sich in opernhafter Dramatik (wobei man oft auch die Lacher auf seiner Seite hat) und liefert spannende Ausflüge in die großartige italienische Filmmusik. Monteverdi, Puccini, Leoncavallo oder Rossini kommen ebenso zu Ehren wie Ennio Morricone oder Nino Rota. Allein, was Stefano Bollani aus dem eingangs schon erwähnten, von Paolo Conte komponierten Italo-Hit „Azzurro“ auf knapp acht Minuten Länge macht, ist das pure Hörvergnügen. Man wäre heuer im Juni im Großen Saal der Berliner Philharmonie gerne bei diesem knallbunten Abend dabei gewesen, der das Publikum mehrfach zu wahren Begeisterungsstürmen hinriss.

(ACT)

 

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