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13.04.2017 |  Peter Füssl

Hurray For The Riff Raff: The Navigator

Alynda Segarras Lebensgeschichte klingt wie gut erfunden: als Tochter puertoricanischer Eltern wächst sie bei einer Tante in der Bronx auf; hegt frühe Begeisterung für Hardcore Punk; mit 17 haut sie ab, um fortan mittels Trainhoppings ein klassisches Hobo-Leben zu führen und sich die Vereinigten Staaten zu erobern; sie wird Mitglied der alternativen Musikerkommune Dead Man Street Orchestra und gründet 2007 in New Orleans schließlich ihre eigene Band Hurray For The Riff Raff.

Mit dem neuen von David Bowies „Ziggy Stardust“ inspirierten Konzept-Album „The Navigator“ legt die stets trotzig dreinblickende Segarras nun in mehrfacher Hinsicht höchst Bemerkenswertes vor, denn sie schickt zwar die Kunstfigur Navita ins Rennen, es ist aber unschwer zu erkennen, dass es eigentlich ihre eigene, in 12 Songs erzählte Geschichte ist: von frühen Verletzungen als Einwandererkind in einer feindlich oder ignorant gesinnten Umgebung, von der Rückbesinnung auf verloren gegangene oder aus Scham verdrängte migrantische Wurzeln und schließlich ein entschlossenes Aufbegehren gegen Assimilation, Identitätsverlust und Unterdrückung jeglicher Art. „The Navigator“ könnte auch als Bühnenstück gut funktionieren, was vor allem der mitreißenden und höchst abwechslungsreichen Musik zu verdanken ist. Alynda Segarras nimmt mit ihrem ausdrucksstarken, unter die Haut gehenden Alt gefangen und fischt aus einer Unmenge an Americana-Tümpeln. Sie lehnt sich mal an Dylan, Springsteen oder Lennon an, lässt Folk- und Country-Töne anklingen, Twangitarren anheizen und einen Gospel-Chor aufsingen, vor allem aber macht sie mit rasanten, perkussionslastigen Latin-Grooves zündende Stimmung. Paul Butler, der zuletzt Michael Kiwanuka mit einem entstaubten Retro-Sound auf Erfolgskurs brachte, bewies auch hier als Produzent ein glückliches Händchen. Schließlich lässt Aylanda Segarras den puertoricanischen Dichter Pedro Pietri zu Wort kommen, der schon Ende der 1960-er Jahre seine Landsleute zur selbstbewussten Rückbesinnung auf ihre Herkunft aufrief, statt sich zu unterwerfen. „Pa’lante“ – „Vorwärts“ lautet der gesellschaftspolitisch motivierte Schlachtruf: „Well, take your pay, stay out the way, be something, do your best, but fuck the rest, be something!“ Schon lange klang kein klares politisches Statement mehr auch musikalisch so überzeugend!

(ATO Records/Pias)

Konzert-Tipp: Wer Hurray For The Riff Raff sehen möchte, hat die nächste Gelegenheit dazu in München: 31.3. Milla Live-Club

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