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05.09.2017 |  Peter Füssl

Grizzly Bear: Painted Ruins

Amerika sei ein „fucked up racist country“, er komme nicht mit den Weißen klar, die sich an den Rand gedrängt fühlen und einen Reality-TV-Star, der vom Ku-Klux-Klan unterstützt werde und offen Hass schüre, wählen. Dieses Land sei auf Blut errichtet und all die „Make America Great Again“-Idioten griffen auf eine alte Wunschvorstellung zurück, die einen Riesenrückschritt für die Entwicklung bedeute. Es handle sich um eine real niemals existiert habende Phantasie der überheblichen Weißen und um einen kollektiven Albtraum für alle anderen. Dieses Wahlergebnis sei eine Absicherung von Sexismus, Rassismus, Homophobie, Fremdenfeindlichkeit und Transphobie. Ende letzten Jahres jagte Grizzly Bear-Sänger Ed Droste seinen totalen Frust über Donald Trumps Triumph mehrfach öffentlichkeitswirksam durch die sozialen Netzwerke.

Das war zugleich das erste Lebenszeichen der an sich unpolitischen, 1999 in Brooklyn gegründeten Band, die sich nach ihren auch kommerziell erfolgreichen Alben „Veckatimest“ (2009) und „Shields“ (2012) ziemlich rargemacht hatte. Sänger Ed Droste, Gitarrist/Sänger Daniel Rossen, Bassist Chris Taylor und Drummer Christopher Bear arbeiteten zu dieser Zeit bereits am neuen Album „Painted Ruins“, das - vielleicht vom Album-Titel einmal abgesehen – nichts von dieser Wut und Empörung herüberbringt. Das sei allerdings nicht Feigheit, sondern Programm, erklärt Bassist Taylor, der die 11 Songs mit ihren mehr oder weniger kryptischen Texten auch produzierte. Man müsse diesem Wahnsinn eine positive Energie entgegensetzen, sonst werde man von all diesen schrecklichen Dingen aufgefressen, wenn man sie nur absorbiere. Dementsprechend betörend ist das wie gewohnt zwischen Indie-Rock/Pop, Free Folk und Psychedelischem angesiedelte Album geworden, das sich einem in seiner Komplexität vielleicht nicht immer leicht erschließt, aber bei mehrfachem Anhören zur musikalischen Wundertüte wird. In den raffinierten Kompositionen und Arrangements verstecken sich kunstvoll verschachtelte Harmonien, melancholische oder euphorische, oftmals auch mehrstimmige Gesänge, verträumte Melodien, ausgeklügelte Rhythmen, subtile Brüche und Wendungen. „Opulente Schönheit als Waffe gegen die Borniertheit der Welt“, titelte der „Rolling Stone“ und trifft damit ins Schwarze.

(RCA/Sony)  

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