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06.09.2018 |  Peter Füssl

Georg Breinschmid: Breinländ

Wäre Breinländ ein realer Staat, würden wohl die Massen der Von-Türkis-Blau-die-Nase-aber-sowas-von-voll-Habenden dort unverzüglich um Asyl ansuchen, denn Breinländ ist so kunterbunt wie sein Cover, und Phantasie, Kreativität und Individualismus sind keine Einreisehindernisse, sondern geradezu Voraussetzungen für die Aufnahme. Darauf lassen zumindest die auf zwei CDs mit mehr als zwei Stunden Spielzeit verteilten 23 Stücke schließen, die Georg Breinschmid nun in der Nachfolge der beiden Doppler „Double Brein“ (2014) und „Old & New Stuff“ (2016) vorgelegt hat.

Tatsächlich ist es ein Riesenspaß, sich im Zweijahresrhythmus den Überblick über den kreativen Output des stets von genialen Wahnsinnsschüben gebeutelten Kontrabassisten, Kompositeurs und Wortakrobaten zu verschaffen. Sich auf eine Band, ein Projekt zu konzentrieren, schafft der vielseitig Interessierte ohnehin längst nicht mehr. So tummeln sich auf „Breinländ“ wieder gute alte Bekannte wie der kongeniale Geiger Benjamin Schmid oder die Vokalistin Agnes Heginger, es gibt aber auch bislang Ungehörtes. Beispielsweise acht von Breinschmid vertonte Ernst Jandl-Gedichte, die teils von Heginger, großteils aber von Filippa Gojo der schrägen Genialität ihres Schöpfers treffsicher entsprechend interpretiert werden. Zweihundert Jahre älter ist ein Gedicht des Sprachgenies Friedrich Rückert, dem Cornelius Obonya seine Stimme leiht. Statt mit Wörtern mit Tönen virtuos umzugehen, versteht Breinschmids neues Trio „First Strings On Mars“ mit den beiden Geigern Florian Willeitner und Igmar Jenner. Deren Musik ist wie Breinschmids gesamtes Oeuvre im Spannungsfeld von Jazz, Klassik, Balkanfolklore und Wiener Kaffeehausmusik angelegt und von solch beschwingter Virtuosität, hemmungsloser Dramatik und opulenter Schönheit, dass es fast schon weh täte, würde man sich nicht so amüsieren. Seine kompositorische Unverwechselbarkeit beweist Breinschmid mit den beiden für Musikerkollegen geschriebenen Auftragswerken „Freedom“ und „Coincidance“ – die jeweils gute 14 Minuten lang sind. Ob in ganz großem Stil – Tscho Theissing hat dem wendigen Kontrabassisten eine Bizet-Adaption auf den Leib geschrieben, die mit dem Brünner Symphonieorchster Moravia Virtuosi realisiert wurde – oder solo, kaum jemand versteht es so brillant, meisterhaftes Können, Originalität und Witz in perfekten Einklang zu bringen wie Georg Breinschmid. Wäre Breinländ ein realer Staat ...

(BreinMUSIC/Preiser Records)

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