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05.05.2015 |  Peter Füssl

Filippa Gojo: vertraum

Die aus Bregenz stammende Vokalistin Filippa Gojo, Jahrgang 1988, hat in Köln Jazzgesang studiert und ist soeben als Solistin und mit ihrem Quartett in Mannheim mit dem „Neuen Deutschen Jazzpreis“ ausgezeichnet worden. Sie wurde zuerst von einer Jury aus 200 Bewerbern ausgesucht, dann vom prominenten Kurator Kenny Garrett unter die letzten drei Bewerber gereiht und gewann schließlich bei einer Live-Performance die Sympathien des Publikums, das sie zur zehnten Preisträgerin dieses außergewöhnlichen Wettbewerbs machte. Dieser Erfolg ist leicht verständlich, wenn man sich „vertraum“ anhört, ihr Solo-Album mit neun sehr abwechslungsreichen Titeln, die ihr gesamtes gesangliches Spektrum eindrucksvoll aufzeigen.

Dabei geht Filippa Gojo weit über das hinaus, was traditionellerweise unter einer „Sängerin“ verstanden wird – will man sie verorten, fallen einem Namen wie Lauren Newton, Sidsel Endresen, Urszula Dudziak oder Jay Clayton ein. Denn es ist der völlig unorthodoxe und unbeschwerte Zugang zur Vokalkunst der längst in der regen Kölner Jazzszene verankerten Sängerin, der die Solo-Produktion „vertraum“ zu einem exzellenten kleinen Selbstportrait macht. Da gibt’s nur ein bisschen Daumenklavier, Shrutibox oder Spieluhr als Begleitung, der Rest ist Stimme pur - an technischen Fähigkeiten ebenso reich wie an emotionalen Ausdrucksformen, lustvoll, verspielt, verträumt, ohne Netz und doppelten Boden. Den Standard „Lazy Afternoon“, ein vertontes Kaspar Hagen-Gedicht oder den Ulrich Gabriel-Klassiker „Do mo trinkt bloach osom Bach“ fügt Gojo durch ihre eigenwilligen Interpretationen nahtlos in ihre Eigenkompositionen ein, die einen weiten Bogen von eher konventionell Liedhaftem über witzige Laut- und Sprachspielereien bis zu gewagteren vokalen Experimenten beschreiben. Wobei man sicher davon ausgehen darf, dass der von ihr gerne eingesetzte Vorarlberger Dialekt jenseits der Bodenseeregion zusätzlich einen höchst exotischen Anstrich hat. „Vertraum“ verzaubert, verführt zum Lachen, geht unter die Haut – man muss kein Prophet sein, um vorauszusagen, dass man von Filippa Gojo noch viel hören wird!

(Ajazz)

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