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26.09.2017 |  Peter Füssl

Evelyn Fink-Mennel: „... nur für Freunde der Urtriebforschung“

Wer das alpenländisch dummdreiste „Zipfel eini, Zipfel aussi“ oder die noblere französische Pop-Chanson-Variante „Je t’aime ... moi non plus“, Ende der 60-er Jahre von Serge Gainsbourg mit Brigitte Bardot und Jane Birkin eingespielt, bislang für das Nonplusultra an frivolem Liedgut hielt, kann sich nun mit Evelyn Fink-Mennel auf höchst unterhaltsame Art einschlägig weiterbilden. Denn Sex und Erotik sind, mehr oder weniger geschickt getarnt und in verschlüsselter Form die wahren Inhalte vieler Volkslieder und Gstanzln, was der Wiener Ethnologe und Sexualwissenschaftler Friedrich Salomon Krauss schon vor hundert Jahren wissenschaftlich exakt und detailreich dokumentierte.

An der von ihm herausgegebenen Sammlung „Das Minnelied des deutschen Land- und Stadtvolkes“ aus dem Jahr 1929 – Norbert Mayer liest kurze Ausschnitte daraus vor – orientiert sich die Bregenzerwälder Musikethnologin und Musikerin, die von Philipp Lingg an Gitarre und Akkordeon, Matthias Härtel am Kontrabass und Perkussionist Alfred Vogel kongenial unterstützt wird. Eingebettet sind auch drei Titel aus dem in der edition bahnhof erschienenen Hörbuch „Wib ischt Ma“, wo Evelyn Fink-Mennel mit dem Trompeter und Beatboxer Johannes Bär und ihrer Mutter Wilma an der Zither die Moritat von der holden schönen Müllerin und deren vergnüglicher Mühle zum Besten geben, dem „gebrockten Blüomarl“ am See ein musikalisches Denkmal setzen und eine „Vögelhochzeit“ (kein Tippfehler!) feiern. Nach 13 Stücken in einer guten halben Stunde weiß man, was hinter der Wiese, die gemäht und der Pfanne, die geflickt werden will, wirklich steckt, und dass Petersilie und Schnittlauch auch jenseits der Küche ganz besondere Bedeutungen haben, ebenso wie das Moos rund um den Brunnen oder das Vogelnest, in dem der Bua gerne nisten möchte. Da wird gesungen und gespielt und gerappt („Schwangerschaftsverhütungsrap“), was das Zeug hält, und was sich gar nicht sagen lässt, wird halt gejodelt. Viel vom Charme dieser Produktion macht auch die Direktheit und Unmittelbarkeit aus, mit der Alfred Vogel den Gesang mit nur einem Mikrofon aufgenommen hat. Das zieht einen hinein in das Geschehen, ist schräg und witzig und manchmal auch etwas verstörend. Und alle Akteure sind mit so viel Verve und Inbrunst bei der Sache, dass man gerade Lust bekommen könnte ––– sich die CD gleich noch einmal anzuhören. Oder woran haben Sie gerade gedacht?

(Boomslang Records/www.lotusrecords.at)

Konzert-Tipps: Evelyn Fink-Mennel, Philipp Lingg und Matthias Härtel präsentieren die CD auch live am 3.10. Altes Kino Rankweil, 4.10. Gasthaus Löwen Au, 2.11. Restaurant Franzoi Ludesch, 3.11. Bahnhof Andelsbuch, 4.11. Gasthaus Lamm Lustenau, 3.12. Zeughaus Lindau, 29.12. KUB Bregenz, Do, 8.3.18 Hirschen Schwarzenberg, 10.3.18 Frauenmuseum Hittisau

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