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29.05.2018 |  Peter Füssl

David Helbock’s Random/Control: Tour d’Horizon

Chick Corea, Joe Zawinul, Herbie Hancock, Keith Jarrett – es finden sich viele zu erwartende Namen unter den Pianisten/Komponisten, die für die musikalische Entwicklung von David Helbock bedeutsam waren und denen er nun mit seinem neuen Random/Control-Album eine ganz besondere Hommage widmet. Ungewohnterweise finden sich dieses Mal also ausschließlich Fremdkompositionen auf dem dritten gemeinsamen Album des Pianisten mit dem Blechbläser Johannes Bär und dem Holzbläser Andreas Broger, die in Sachen Kreativität, Einfallsreichtum und exzellenter Spieltechnik durchaus ebenbürtig sind und auch nach bald einem Jahrzehnt gemeinsamen Musizierens absolut frisch und unverbraucht klingen.

Zusammen bringen sie mehr als zwanzig Instrumente auf die Bühne – wer sie schon einmal live gesehen hat, weiß, dass das wahrlich akrobatische Züge annehmen kann, zumal Bär und Broger durchaus auch mehrere Instrumente gleichzeitig spielen können. Gleich beim Opener, Abdullah Ibrahims freudvoll-quirligem „African Marketplace“ bringen sie das gesamte Instrumentarium zum Klingen und entfalten die unglaubliche Buntheit und Breite ihres Soundspektrums, das diesen unorthodoxen Dreier meilenweit aus der Flut an Piano-Trios hervorhebt. Stücke wie „Watermelon Man“, „Spain“, „Take Five“ oder „Mercy, Mercy, Mercy“ hat jeder Jazz-Fan im Ohr, und Helbock bleibt von den Melodien her auch nahe bei den Originalen, versteht es jedoch, in seinen Arrangements mit rhythmisch, dynamisch und harmonisch neuen Aspekten zu verblüffen. Der eigentliche Clou ist aber die schier unbegrenzte Möglichkeit an Instrumentenkombinationen, wodurch auch die Lead- und Begleitfunktionen innerhalb eines Stückes permanent wechseln können. Alles wirkt musikalisch immer völlig stringent, man hat nie den Eindruck, es gehe um bloße Effekthascherei. Auch das Spiel mit Stimmungen ist betörend – als Beispiel sei etwa der Wechsel von der mitreißenden, wie von einer extravaganten New-Orleans-Band intonierten Version des Zawinul-Hits auf ein nahezu klassisch-romantisch anmutendes, mit dezenten Electronics angereichtertes „Blue in Green“ genannt. Man glaubt dem gleichermaßen einfallsreichen wie fingerfertigen David Helbock gern, dass er Keith Jarretts „My Song“ buchstäblich „schon mit der Muttermilch“ aufgesogen habe. Er hat aber auch Carla Bley mit der wunderschönen Ballade „Utviklingssang“ oder Esbjörn Svensson mit seinem nahezu hypnotisch wirkenden „Seven Days Of Falling“ in seine ganz persönliche „Tour d’Horizon“ aufgenommen. Den Abschluss macht ein mit alpinen Bläserklängen und Kuhglockengeläute eingestimmtes „Take Five“, das sich nach einem kurzen Didgeridoo-Übergang zu einer Art verquerem Funk entwickelt und dieses exzellenten Trio in seiner musikalischen Unberechenbarkeit nochmals von seiner allerbesten Seite präsentiert. Brillant!

(ACT)

Konzert-Tipps: Jazzfestival Lech (11.8.), Kulturwerkstatt Sonthofen (27.9.), Jazzclub Uster (28.9.), Spielboden Dornbirn (29.9.), Bistro Einstein St. Gallen (5.11.), Weekly Jazz Chur (6.11.), Propstei St. Gerold (16.11.), Porgy & Bess Wien (2.12., Jazzclub Lindau (12.1.), Kultur z’Kobla Koblach (24.1.), Tangente Eschen (15.2.), Remise Bludenz (5.4.)

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