Benutzerspezifische Werkzeuge

Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

10.03.2015 |  Peter Füssl

Bob Dylan: Shadows In The Night

Zugegeben, auf dem Papier las es sich etwas eigenartig, dass sich ausgerechnet Bob Dylan, den man zwar als größten und erfolgreichsten Songwriter aller Zeiten, sicherlich aber nicht als herausragendes Vokalgenie sehen kann, ausgerechnet des von nicht zufällig „The Voice“ genannten Frank Sinatra bekannt gemachten Songmaterials annimmt.

Okay, mit den gesanglichen Qualitäten des größten Crooners aller Zeiten kann His Bobness zwar nicht konkurrieren, aber nie zuvor raspelte er so konzentriert und treffsicher, artikulierte er so deutlich bis zum letzten Buchstaben, und seine Stimme vermag in einem unerwarteten Maß wohlige Wärme auszustrahlen. Der wahre Geniestreich besteht aber darin, dass Dylan die Stücke vom Streicherbombast befreit hat und seine fünfköpfige Live-Band anstelle eines 30-Mann Orchesters spielen lässt. Das gibt diesen Standards aus dem Great American Songbook von Rodgers, Hammerstein, Berlin & Co., die in den letzten 50 Jahren vielfach verhunzt wurden, ihre ursprüngliche Kraft, Tiefe und Authentizität zurück. Die fehlende Perfektion wird hier zum Pluspunkt, weil sie die Songs in ihrer verletzlichen Schönheit ermöglicht. Sentimental ja, kitschig nie. Ein Effekt, den man auch von Johnny Cashs genialen Alterswerken her kennt. So könnte ausgerechnet Bob Dylans 36. Studioalbum vielleicht sogar jenes werden, auf das sowohl Dylan-Jünger als auch bekennende Dylan-Kritiker abfahren.

(Sony)

Artikelaktionen
Newsletter
Erhalten Sie die neuesten Kritiken per E-Mail
(Required)
Bilder
  • dylan.jpg