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23.11.2017 |  Peter Füssl

Blue Note All-Stars: Our Point of View

Die Geburtsstunde dieses, seinen Namen durchaus verdienenden Sextetts schlug 2014 anlässlich des 75. Geburtstags des legendären Blue Note-Labels. Es spricht für den Label-Chef und Produzenten Don Was, dass er aus der großen Zahl an in Frage kommenden Musikerinnen und Musikern aus seinem Stall nicht unbedingt jene auswählte, die sich am besten verkaufen, sondern jene, die in den vergangenen Jahren durch ihren besonders kreativen und innovativen Output aufgefallen sind – exzellente Instrumentalisten, die auch kompositorisch und konzeptionell am Puls der Zeit liegen. So haben Keyboarder und Koproduzent Robert Glasper, Bassist Derrick Hodge, Drummer Kendrick Scott, Gitarrist Lionel Loueke, Tenorsaxophonist Marcus Strickland und Trompeter Ambrose Akinmusire jeweils eine oder zwei Kompositionen beigesteuert, die zwar ihre individuelle Handschrift verraten, aber dennoch voll und ganz im Gruppensound aufgehen.

„Wir lernen alle voneinander. Wir fordern uns heraus. Niemand ist engstirnig. Jeder ist offen und um die Musik bemüht. Solange das so ist, wird der Zauber funktionieren“, erklärt Loueke, der mit seinem „Freedom Dance“ ein mitreißendes Afro-Beat- und Funk-inspiriertes Stück geliefert hat. Glasper überzeugt vor allem mit dem rasanten „Bayyinah“, während Hodges „Second Light“ Hardbop-Feeling mit zeitgenössischen Improvisationstechniken aufmischt und seine „Message of Hope“ in hymnische Sphären entführt. Alle Beteiligten überzeugen mit exzellenten Soli, erteilen aber jeglichen Egotrips eine bewusste Absage, was diese Blue Note-All-Stars zu weit mehr als einem zusammengewürfelten Marketing-Gag werden lässt. Vom kreativen Potential her hätten sie die 90 Minuten Spielzeit des Doppelalbums natürlich locker ausfüllen können, aber es ist dennoch eine sympathische Verbeugung an die Jazz-Historie, wenn die Young Lions von heute auch ältere Blue Note-Lichtfiguren ehren. Die zwei Fremdkompositionen stammen von Wayne Shorter. „Witch Hunt“, den Opener von Shorters Erfolgsalbum „Speak No Evil“ aus dem Jahr 1966 inszeniert das famose Sextett auf knapp 18 Minuten Länge – also mehr als doppelt so lang wie das Original – zum Post-Bop-Klassiker aus heutiger Sicht. Ein Showcase für Trompeter Ambrose Akinmusire auf den Spuren Freddie Hubbards. Auf „Masquelero“ duelliert sich dann der Altmeister auf dem Sopransax höchst persönlich mit Stricklands Tenorsax, während Herbie Hancock als zweiter Gast Pianotöne beisteuert, die mit Glaspers Synthie in reizvollem Kontrast stehen. Dem 2015 verstorbenen, legendären Blue Note-Chef Bruce Lundvall, dem zwei Kompositionen dieses Albums gewidmet sind, hätte das sicher auch gefallen.

(Blue Note/Capitol/Universal)

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