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15.03.2018 |  Peter Füssl

Andreas Schaerer: A Novel of Anomaly

Der musikalische Output des Schweizer Vokalartisten Andreas Schaerer ist phänomenal - man denke nur an seine beiden letztjährigen Produktionen, das im Quartett mit Michael Wollny, Vincent Peirani und Emile Parisien entstandene "Out of Land" und an seine großorchestrale, sechssätzige Komposition "The Big Wig", die er mit dem Lucerne Festival Academy Orchestra realisiert hat. Nicht weniger kreativ und einfallsreich, vor allem aber auch durch eine überschäumende Musizierfreude charakterisiert, ist nun das Quartett mit seinem Landsmann und Meistertrommler Lucas Niggli, dem italienischen Akkordeonisten Luciano Biondini und dem finnischen Gitarristen Kalle Kalima.

Vier ausgeprägte Individualisten mit Bandleader-Format, die sich jeweils auch mit zahlreichen eigenen Projekten im Spannungsfeld zwischen Tradition und Avantgarde, Komposition und freier Improvisation, Virtuosität und Spielwitz bewegen. Ursprünglich wollten die im Duo agierenden Schweizer sich mit Biondini und Kalima jeweils ins Trio-Format erweitern und kamen dann im Rahmen einer „wilden zweistündigen Kollektivimprovisation“ laut Schaerer eher zufällig drauf, welches Potential sich entfaltet, wenn diese vier Könner gleichzeitig auf der Bühne stehen. Tatsächlich ist es verblüffend, mit welcher Vehemenz die Post abgeht, wenn mediterrane Tastenvirtuosität auf finnische Avant-Rock-Jazz-Gitarre und sensibel-forsche ethno-infizierte Perkussion trifft, und – wenn man so will als Primus inter Pares – ein einzigartiger Vokalist die unterschiedlichsten Facetten seiner oftmals verblüffenden Kunst voll zur Wirkung bringen kann. Schaerer singt auf Italienisch, Finnisch, Englisch und Walliserdeutsch, scattet auf Teufel komm raus, und wenn man sich zum Beispiel überlegt, welcher großartige Gasttrompeter denn da gerade zu hören ist, wird man verblüfft feststellen, dass der mundfertige Stimmakrobat so etwas auch ohne Blech täuschend echt imitiert. Alle Beteiligten bringen mit eigenen Kompositionen ihre speziellen Roots und Vorlieben ein und lösen damit bei den Anderen ungeahnte Kreativitätsschübe aus, was beim Zuhören ebenso große Freude bereitet, wie das jederzeit spürbar auch beim Musizieren der Fall gewesen sein muss.
(ACT)

Konzert-Tipp: Schaerer/Biondini/Kalima/Niggli sind am 18.5. live am Spielboden Dornbirn zu hören und zu sehen. www.spielboden.at

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