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30.11.2017 |  Karlheinz Pichler

Von Fettaugen bis zum Panüler Massiv - Jubiläumsausstellung anlässlich fünfzehn Jahre Kunst.Vorarlberg

Vor nunmehr gut fünfzehn Jahren hat sich eine Gruppe von Kunstschaffenden zusammengetan, um mit Kunst.Vorarlberg ein Gegengewicht zur Berufsvereinigung zu schaffen. Mit einer Gruppenausstellung, die den Titel „FETTEJahre“ trägt und an der 26 der insgesamt 51 Mitglieder der Künstlervereinigung beteiligt sind, wird in der Villa Claudia diesem Jubiläum mit reichlich Material und Kreativität Rechnung getragen.

Anlass der vor fünfzehn Jahren ergriffenen Initiative war die Unzufriedenheit mit der damals bestehenden Situation der KünstlerInnen in Vorarlberg und ihrer bis dahin einzigen Interessenvertretung. So konstituierte sich im März 2002 zunächst das „Forum für aktuelle Kunst“ als ein loser Zusammenschluss von siebzehn Gründungsmitgliedern. In der Folge formierte sich ein Gründerkomitee bestehend aus neun Personen, die eine Vereinsgründung vorbereiteten. Im August desselben Jahres war es dann soweit: Der Verein „Kunst.Vorarlberg“ wurde ins Vereinsregister eingetragen.

Der Titel „FETTEJahre“ ist wohl auch ironisch gemeint. Denn nicht immer lief das Vereinsgetriebe rund. Immer wieder wurde die Vereinigung von internen Querelen erschüttert, und auch VereinspräsidentInnen wurden zuhauf verschlissen. Aber bei einem jungen Verein ist dies nicht ungewöhnlich. Es braucht seine Zeit, bis sich Strukturen herausgebildet haben und ein Fundament geschaffen ist, welches das Gebälk auch in rauhen Zeiten trägt. Momentan, unter der Präsidentschaft von Florian Gerer und seinem Vize Wolfgang Schwarzmann, scheint das Gebilde jedenfalls stabil. Vielleicht ist es auch gut, dass die Vereinsführung für einmal von Innen kommt. So kann sich das Gebilde auf sich selbst konzentrieren. Wann immer eine Präsidentschaft von außen kommt, bringt sie ja eigene Vorstellungen und Ziele mit, will sich profilieren, und bringt dadurch auch Unruhe in den Verein.

In den Anfängen besaß Kunst.Vorarlberg noch keine eigenen Räumlichkeiten. „Es herrschte ein nomadisches Prinzip. Die Vereinstätigkeit fand an verschiedenen, über das ganze Rheintal verteilten Räumen und Orten statt. Zur Durchführung von Ausstellungen wurden verschiedene Räumlichkeiten akquiriert,“ teilen Dorothea Rosenstock und Franziska Stiegholzer mit, die ebenfalls im aktuellen Vorstand tätig sind und die Jubiläumsausstellung kuratieren. Ausstellungsmäßig „okkupierte“ man spezielle „Off Spaces“ wie etwa das Trafohäuschen in Bregenz oder die Remise am Bahnhof Feldkirch. Aber auch etablierte Häuser wie das Palais Liechtenstein oder Schloss Amberg wurden bespielt.

Offizielle Heimat in der Villa Claudia

2004 hat sich dann die Stadt Feldkirch bereit erklärt, Kunst.Vorarlberg ein Büro in der „Roten Villa“ in Feldkirch zur Verfügung zu stellen, wo bereits andere Kulturvereine und -veranstalter ihren Sitz hatten. Die Galerieräume im ersten Stock der Villa kamen dazu. So hat der Kunstverein im Dezember 2004 seine offizielle Heimat in den Galerieräumen der Villa beziehen können.

Als „Leistungsbilanz“ verweisen Rosenstock und Stiegholzer auf die zahlreichen Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen, aber auch auf Symposien, Vorträge sowie Kurzpräsentationen von Künstlern („EinBlick“), die organisiert worden seien. Ebenso habe es eine ganze Reihe von Austauschausstellungen mit anderen Kunstvereinen im In- und Ausland gegeben, sowie  eine Ausstellung in der österreichischen Botschaft in Berlin im Jahre 2013. Highlights seien etwa die Werkschauen „Transfer“ 2015 in Vaduz oder „Grenzwertig“ 2017 in Diepoldsau gewesen. Für nächstes Jahr steht ein Austauschprojekt mit der Südtiroler Künstlerschaft auf dem Programm.

Bereits zu den Fixpunkten des Vereins zählen mittlerweile die alljährlichen Auftritte an der Art Bodensee sowie die Produktion eigener Magazine, in denen sich die Mitglieder, deren Zahl mittlerweile auf 51 angewachsen ist, präsentieren können.

Befragt, was denn der große Unterschied von Kunst.Vorarlberg zur Berufsvereinigung sei, verweist die aus den Niederlanden stammende Hilda Keemink, die aktuell als Kassierin im Vorstand sitzt und bereits seit frühester Stunde Vereinsmitglied ist, darauf, dass die Berufsvereinigung auf internationale Ausstellungen nach der Art eines Kunsthallenkonzepts fokussiert ist, während bei Kunst.Vorarlberg die einzelnen Mitglieder im Vordergrund stünden. Jede und jeder könne seine Ideen einbringen und werde vom Verein unterstützt. Im Unterschied zur Berufsvereinigung sollen die Werke und Leistungen der eigenen Mitglieder im Zentrum stehen.


Werke von 26 Kunstschaffenden

Gut die Hälfte der Vereinsmitglieder ist also in der aktuell laufenden Jubiläumsausstellung vertreten. Alois Galehr etwa hat anhand der Arbeit „Panürama“ das 2859 Meter hohe Gebirgsmassiv des Panülers, dem Hausberg des Nenzinger Himmels, mit besonders schönen, da fleckigen Bananenschachtel-Einlagekartons nachgebaut. Die in Mellau lebende und arbeitende Künstlerin Melanie Berlinger ist mit einer Reihe von Insekten, die sie mit viel Akribie mit Bleistift und Blattgold auf Papier zeichnete, vertreten. Ein mit Strichätzung und Aquatinta mit Blattgold auf Tiefdruckkarton gesetzter Hirschkäfer von ihr ist nicht minder sehenswert. Von Franziska Stiegholzer sind genähte und geklammerte Objekte aus schwarzem Gummi in der Schau, während Dorothea Rosenstock drei Rasenstücke aus Papiergarn präsentiert, die sie am Webstuhl geknüpft hat. Mit der dreiteiligen Arbeit, die den Titel „Warten auf den Schnee“ trägt, gibt sie Einblicke in die finnische Knüpftechnik „Ryijy“.

Ewald Hotz bereichert „FETTEJahre“ mit „Argus“ und damit einem Keramikkopf, der mit einer Vielzahl von Augen bestückt ist. Der Künstler zitiert damit ein Stück griechische Mythologie: Die Göttin Hera ließ ja Io, die in eine Kuh verwandelte Geliebte ihres Göttergatten Zeus, von dem Riesen Argos (lateinisch „Argus“) bewachen. Sie wollte so verhindern, dass es zu Schäferstündchen zwischen Zeus und Io kam. Argus hatte hundert Augen, von denen jeweils ein Teil schlief, während der Rest wachte. So konnte er Io immer im Auge behalten. Auf Befehl des Zeus schläferte der Götterbote Hermes Argus ein und tötete ihn. Seine hundert Augen überführte Hera in das Federkleid des Pfaus.

Augen spielen auch bei der Installation „Fettaugensuppe“ von May-Britt Nyberg Chromy eine Rolle. Aus einem Suppenteller blicken dem Betrachter historische Glasaugen entgegen, die die Künstlerin in alten „Musterkoffern“ eines Augenarztes gefunden hat, der in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Feldkirch eine Praxis unterhielt. Ganz nach dem Motto: „Bei einer guten Suppe schauen immer mehr Augen heraus als hinein.“

Collagen von Cornelia Blum-Sattler und von Georg Vith, Gemälde von Harald Gmeiner, Roswitha Buhmann und Edgar Leissing oder die Bodenistallation bestehend aus in Gips gegossenen Häuserreihen von Katharina Fitz sind weitere Beispiele einer sehr abwechslungsreichen und „fetten“ Ausstellung. Als große Besonderheit sei noch auf die Multiples verwiesen: In speziellen Kartonboxen mit Kunst.Vorarlberg-Stempel darauf, präsentiert auf einem mittels Malerleitern und Brettern konstruierten Regalsystem, bieten die Vereinsmitglieder Multiples in kleiner Auflage zu sehr günstigen Preisen (zwischen 15.- und 150.- Euro) als wahre Kleinode an.

FETTEJahre
Lisa Althaus, Judith Batlogg, Melanie Berlinger, Cornelia Blum-Satler, Bettina Bohne, Roswitha Buhmann, Ursula Dorigo, Arno Egger, Katharina Fitz, Alois Galehr, Florian Gerer, Harald Gmeiner, Egmont Hartwig, Ewald Hotz, Hilda Keemink, Guntram König, Edgar Leissing, Renate Ludescher-Krapez, Hanno Metzler, May-Britt Nyberg-Chromy, Dorothea Rosenstock, Wolfgang Schwarzmann, Franziska Stiegholzer, Bianca Tschaikner, Georg Vith, Rainer Wolf

Villa Claudia, Feldkirch
Bis 17.12.
Fr 16-18, Sa 15-18, So 10-12 u. 15-18
www.kunstvorarlberg.at

May-Britt Nyberg Chromy: "Es sollten immer mehr Augen aus der Suppe heraus- als hineinschauen", Installation, 2017

May-Britt Nyberg Chromy: "Es sollten immer mehr Augen aus der Suppe heraus- als hineinschauen", Installation, 2017

Katharina Fitz: "Casted out Landscape". Gipsgussverfahren, 2017

Katharina Fitz: "Casted out Landscape". Gipsgussverfahren, 2017

Ewald Hotz: "Argus". Keramik, Unterglasurmalerei, 2017

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Alois Galehr: "Panürama". Karton auf Holz

Alois Galehr: "Panürama". Karton auf Holz

Melanie Berlinger: "Hirschkäfer". Bleistift und Blattgold auf Papier

Melanie Berlinger: "Hirschkäfer". Bleistift und Blattgold auf Papier

Bettina Bohne: "Lady Rainbow". 2017, Mixed Media

Bettina Bohne: "Lady Rainbow". 2017, Mixed Media

Harald Gmeiner: "o.T. ", 2017. Mischtechnik, Acryl auf Leinwand

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  • May-Britt Nyberg Chromy: "Es sollten immer mehr Augen aus der Suppe heraus- als hineinschauen", Installation, 2017 May-Britt Nyberg Chromy: "Es sollten immer mehr Augen aus der Suppe heraus- als hineinschauen", Installation, 2017
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