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05.08.2017 |  Karlheinz Pichler

Die Figur als formales Maß aller Dinge – Herbert Albrecht im Vorarlberg Museum

Anlässlich seines 90. Geburtstages und in Zusammenarbeit mit dem Kunsthistorischen Museum Wien zeigt das Vorarlberg Museum derzeit im Foyer und auf dem Vorplatz des Museums einen Querschnitt durch das skulpturale Schaffen des Vorarlberger Bildhauers Herbert Albrecht. Wobei ganz neue Arbeiten im Zentrum der Präsentation stehen, denen ältere Werke gegenübergestellt werden, um solcherart auf die Spannweite seiner Formalsprache hinzuweisen.

Wann immer der in Wolfurt lebende und arbeitende Bildhauer Herbert Albrecht einen Fäustel, einen Knüpfel und das Eisen zur Hand nimmt, um einen Stein zu behauen, ist eines von vorne herein immer schon klar: Ergebnis wird immer eine menschliche Figur oder ein Teil davon sein. Denn seit über sechzig Jahren gilt sein Interesse dem Menschen, und zwar dem stehenden, sitzenden und liegenden genauso wie dem Torso oder dem Kopf. Für die Herausbildung seiner künstlerischen Handschrift war das Studium der vorklassischen und klassischen Skulptur ebenso wichtig wie etwa auch die Einflüsse des Kubismus, von Constantin Brancusi, seines seinerzeitigen Akademieprofessors Fritz Wotruba oder eines Alberto Giacometti. Querverbindungen zu letzterem sind vor allem in den neueren, stark reduzierten Köpfen Albrechts spürbar.

 

Stein in allen Härten und Ausprägungen

Der Doyen unter Vorarlbergs Bildhauern besuchte in den 1950-er Jahren die damals weit über die österreichischen Grenzen hinaus wahrgenommene Meisterklasse von Wotruba an der Wiener Akademie der Bildenden Künste. Seit damals ist er nicht nur der Figur, sondern auch dem Material Stein treu geblieben. Albrecht liebt den Stein in allen Ausformungen und Härten, wie er selber betont. Dabei war es für ihn, der im Bregenzerwald in einer streng katholisch geprägten Familie aufgewachsen ist, nicht einfach gewesen, sich dem Hang zum Künstlertum hinzugeben. Denn gerade nach seiner Rückkehr von der Wiener Akademie konnte er im Land vor dem Arlberg, in welchem ein Kunstmarkt zu jener Zeit nicht existent war – er ist es heute de facto immer noch nicht -, über etliche Jahre hinweg kaum etwas verkaufen. Freunde hielten ihn damals über Wasser. Durch sein konsequentes Schaffen, das ihm immer häufiger auch öffentliche Aufträge bescherte, gelang es ihm aber, sich letztlich zu emanzipieren und eine finanzielle Unabhängigkeit zu erlangen.

 

Symbole ihrer selbst

Ungeachtet seiner 90 Jahre ist der Schaffensdrang von Herbert Albrecht bis dato ungebrochen. Noch immer geht er täglich ins Atelier, um sich seinem favorisierten Materia Stein zu stellen. Der Stein zwinge zur Haltung und widersetze sich durch seine Härte der Schnelllebigkeit unserer Zeit und damit dem Zeitgeist, konstatiert der Bildhauer. Allerdings habe die idealisierende Darstellung des Menschenbildes ausgedient, denn spätestens nach den Gräueln des Nationalsozialismus sei es fragil geworden. In der von Albrecht vorangetriebenen Reduktion der figuralen Sprache werden die Köpfe und Torsi zu Symbolen ihrer selbst.

Im Lichthof-Foyer des Vorarlberg Museums werden die Stein- und Bronzplastiken Albrechts auf Stelen dargeboten, deren Höhe gut auf die Betrachter abgestimmt ist. Die Kopf-Lösungen befinden sich gleichsam auf Augenhöhe zum Besucher, die Liegenden sind etwas tiefer gesetzt und ermöglichen den Herumwandelnden die Besichtigung von oben.


Im Nebeneinander von früheren und ganz neuen Werken wird evident, dass sich der Reduktionsprozess bei Albrecht in den letzten Jahren verstärkt hat. Etliche der neueren Kopf-Variationen lösen sich immer mehr in geometrische Grundstrukturen auf.

Eingeschleust in die Schau sind auch drei klassische Kopf-Plastiken aus dem Kunsthistorischen Museum Wien. Nicht von ungefähr, hat Albrecht doch seine antiken Vorbilder während seiner Akademiezeit wieder und wieder studiert. Diese Einflechtung liefert auch einen guten Vorgeschmack auf den September. Denn ab dem 18. September ist diese Werkauslese im Kunsthistorischen zu sehen. Platziert zwischen den römischen und griechischen Skulpturen sollen Albrechts Kunstwerke dort für ein ganz spezielles Spannungsverhältnis sorgen.

 

 

Herbert Albrecht: Stein und Bronze
Vorarlberg Museum
bis 3.9.2017
www.vorarlbergmuseum.at

ab 18.9.2017
Kunsthistorisches Museum Wien
www.khm.at

 

Herbert Albrecht: Kopf, 2001, afrikanischer Marmor (Fotos: Karlheinz Pichler)

Herbert Albrecht: Kopf, 2001, afrikanischer Marmor (Fotos: Karlheinz Pichler)

Herbert Albrecht: Kopf, 2015, Bronze poliert

Herbert Albrecht: Kopf, 2015, Bronze poliert

Herbert Albrecht: Kopf, 2011, Diabas

Herbert Albrecht: Kopf, 2011, Diabas

Herbert Albrecht: Blick in die Ausstellung "Stein und Bronze"

Herbert Albrecht: Blick in die Ausstellung "Stein und Bronze"

Herbert Albrecht: Stehende Figur, 1981, Grauer Marmor

Herbert Albrecht: Stehende Figur, 1981, Grauer Marmor

Kopf eines Kentauren: 2. Jh. v. Chr., Marmor, Kunsthistorisches Museum Wien (Fotos: Karlheinz Pichler)

Kopf eines Kentauren: 2. Jh. v. Chr., Marmor, Kunsthistorisches Museum Wien (Fotos: Karlheinz Pichler)

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  • Herbert Albrecht: Kopf, 2001, afrikanischer Marmor (Fotos: Karlheinz Pichler) Herbert Albrecht: Kopf, 2001, afrikanischer Marmor (Fotos: Karlheinz Pichler)
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