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20.09.2018 |  Ariane Grabher

Dem Himmel Farbe geben - Eröffnung des Skyspace Lech von James Turrell

Welche Farbe hat der Himmel? Welche Farbe habe ich vor ein paar Minuten gesehen? Kann man mit den Augen fühlen? Diese und ähnliche Fragen beschäftigen die Besucherinnen und Besucher im jüngsten Skyspace des bedeutenden amerikanischen Lichtkünstlers James Turrell, der am vergangenen Wochenende in Oberlech eröffnet wurde.

Der kurze Aufstieg zur Alpe Tannegg, ein paar Minuten Gehzeit über Oberlech auf 1780 Metern gelegen, lohnt sich und ist Teil des Konzepts. Ebenso wie der Blick hinüber zum pyramidenförmigen Gipfel des Biberkopfs und auf die erste Walsersiedlung. James Turrell, der weltweit über 70 Skyspaces realisiert hat und seit rund 40 Jahren an seinem Opus Magnum, dem Roden Crater in der Wüste von Arizona, arbeitet, hat sich diesen besonderen Ort für einen besonderen Skyspace ganz bewusst ausgesucht. Gut in die Umgebung integriert ragen nur die Kuppel und die Trägerkonstruktion heraus, der Großteil des Werks verschwindet im Berg, ist in den Hügel gebaut. Durch einen schmalen Tunnel geht es in den Skyspace - wer einen Blick in den Himmel erhaschen will, muss also zuerst in den unterirdischen Lichtraum mit der ovalen Kuppel.

Herausforderungen beim Bau

Vor vier Jahren war James Turrell auf Einladung des Vereins Horizon Field, benannt nach der gleichnamigen Landschaftsinstallation des Briten Antony Gormley, erstmals in Lech. Der Verein war, unterstützt durch den in München und Zürich agierenden Vorarlberger Galeristen Wolfgang Häusler, auf der Suche nach einem Nachfolgeprojekt für die hundert Eisenmänner, die Gormley entlang der Baumgrenze 2010 bis 2012 aufgestellt hatte. Begeistert von der Gebirgslandschaft schuf Turrell erste Skizzen, die vom renommierten Vorarlberger Architekturbüro Baumschlager-Eberle in Baupläne übertragen wurden. Zwei Jahre, jeweils während der Sommermonate, wurde am rund 1,5 Millionen Euro teuren Skyspace gebaut. Möglich gemacht hat es der Verein um Obmann Otto Huber, der sich unermüdlich um Sponsoren und Förderer bemühte und den Skyspace auf diese Weise zu 90 Prozent privat finanziert konnte. Mit 100.000 Euro hat auch das Land Vorarlberg einen wesentlichen Beitrag beigesteuert. Das Knowhow zahlreicher Vorarlberger Handwerker und Firmen war gefragt, vom Bootsbauer in Hard, der die Kuppelschale angefertigt hat, bis hin zu den komplexen Lichtlösungen von Zumtobel. Besonders die für eine Schneelast von 26 Tonnen ausgerichtete Kuppel mit ihrer glatten Oberfläche und den scharfen Kanten war eine Herausforderung für die beteiligten Handwerker. Aber auch der schwarze Granit, der den neun mal sechs Meter großen, ovalen Lichtraum mit der umlaufenden Sitzbank und Rückenlehne auskleidet, forderte die Fachleute heraus. Dass diese Anstrengungen dem Bau nicht anzusehen sind, die Technik keinen Augenblick im Vordergrund steht und alles schlicht, edel und selbstverständlich wirkt, ist eine besondere Qualität des Skyspace.

Licht, Farbe und Wahrnehmung

Die eigentliche Sensation, die eigentlich keine ist, sondern sich vielmehr als stilles Augen-Aufmachen, Innehalten und Auf-sich-wirken-Lassen manifestiert, ist das Licht. "Meine Arbeiten handeln nicht von Licht, sie sind Licht", lautet das Credo von James Turrell. Diese Erfahrung des Lichts, berührend, beglückend, zuweilen auch verstörend, steht im Mittelpunkt seines Werks. An alle Sinne und das körperliche Erleben appellierend, geht es um "Sensing", um das Wahrnehmen. Eine Erfahrung, die der 1943 in Los Angeles geborene und mit dem starken Licht und der Sonne Kaliforniens aufgewachsene Turrell, der neben Kunst auch Mathematik und Psychologie studiert hat, bereits früh gemacht hat. Als typischer West-Coast-Künstler arbeitet er schon zu Beginn seiner künstlerischen Laufbahn mit dem Tageslicht als Material. Schon während seiner Studienzeit treibt ihn "The Thingness of Light" - "Das Dasein des Lichts" um. Bezeichnend auch die überlieferte Anekdote, die einen autobiografischen Aspekt ins Werk bringt: Aus einer Quäkerfamilie stammend, habe sich Turrell bei den Meetings, zu denen ihn seine Mutter jeweils mitgenommen hat, gewünscht, dass er dabei in den Himmel schauen könnte.

Einzigartig und erstmalig in Lech realisiert der Künstler eine Kombination aus Skyspace und Farbfeldraum. Neben dem Blick in den Himmel und seinen sich mit dem Tageslicht, dem Schnee und den vorbeiziehenden Wolken verändernden Farben, erlebt der Besucher auch bei geschlossener Kuppel einen großartigen Lichtraum der sich aus komponierten Farbabläufen zusammensetzt. Radikal und sensibel, reduziert einerseits und überschwänglich an Eindrücken andererseits, macht jede Besucherin und jeder Besucher im Skyspace seine ganz eigenen Erfahrungen, konzentriert auf sich selbst.

"Wir sind uns nicht bewusst, dass wir selbst dem Himmel seine Farbe geben. Wir denken, dass alles vergeben ist, aber wir haben doch aktiv Teil daran, die Realität, in der wir leben, zu erschaffen", ist James Turrell überzeugt. Oder wie Turrell-Kenner Professor Wulf Herzogenrath bei der Preview sagte: "Es gibt Kunst für den Kunstmarkt, aber es gibt auch Kunst, die anders ist und etwas mit uns macht." Die Kunst von James Turrell macht definitiv etwas mit uns.

Öffnungszeiten: 9-18 Uhr, während der Wintersaison 9-16 Uhr
www.skyspace-lech.com 

Durch einen Tunnel gelangt man in den Innenraum des Skyspace

Durch einen Tunnel gelangt man in den Innenraum des Skyspace

Die Kuppel fängt das Licht ein ...

Die Kuppel fängt das Licht ein ...

... und lässt den Innenraum erstrahlen

... und lässt den Innenraum erstrahlen

Einzigartig in Lech: die Kombination aus Skyspace und Farbfeldraum (Fotos: Florian Holzherr)

Einzigartig in Lech: die Kombination aus Skyspace und Farbfeldraum (Fotos: Florian Holzherr)

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