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04.11.2014 |  Silvia Thurner

„Formate und Orte schaffen, wo der Dialog stattfinden kann“ - „Montforter Zwischentöne“ sollen nach dem Scheitern des „Feldkirch Festivals“ der Stadt neue, kulturelle Impulse verleihen

Sehr kurzfristig luden die Programmverantwortlichen zum Pressegespräch zur Bespielung des neuen Montforthauses in Feldkirch. Edgar Eller, Geschäftsführer des Montforthauses, berichtete über die Ausgangsüberlegungen und die künstlerischen Leiter Folkert Uhde und Hans-Joachim Gögl sowie Barbara Schöbi-Fink stellten die neuen Konzertformate vor. Aus den Erfahrungen des „Feldkirch Festivals“ haben die zuständigen Stadtpolitiker wohl gelernt. Jedenfalls mutet das aktuelle Programm durchdacht und nicht protzig an und es zeigt das Anliegen, mit Künstlern aus der Region zusammenwirken zu wollen.

Im Sinne einer „Regionalentwicklung“ wollen die künstlerischen Leiter Folkert Uhde und Hans-Joachim Gögl das Festival namens „Montforter Zwischentöne“ verstanden wissen. Die Evaluation des Feldkirch Festivals vor drei Jahren hatte ergeben, dass sich die Feldkircherinnen und Feldkircher ein Festival wünschen, berichtete Kulturstadträtin Barbara Schöbi-Fink einleitend und so möchte die Stadt nun gemeinsam mit den künstlerischen Leitern das enorme Entwicklungspotential auch mit heimischen Kooperationspartnern ausschöpfen. Um der gleichberechtigten Programmgestaltung auch äußerlich Ausdruck zu verleihen, stellten die beiden Kuratoren das Programm gemeinsam vor.

Wie ein Leuchtturm wirken


Hans-Joachim Gögl ist in Vorarlberg als Kongressgestalter bekannt. Folkert Uhde ist der kreative Kopf des Konzerthauses „Radialsystem“ in Berlin. Vor allem mit genreübergreifenden Konzertformen fand er international Anerkennung. Wichtigste Prämisse der künstlerischen Leiter für ihr neues Vorhaben war es, nicht bereits Vorhandenes zu wiederholen beziehungsweise mehr vom Gleichen anzubieten, sondern Menschen mit unterschiedlichen Veranstaltungsformen in Beziehung und in einen Dialog zueinander zu bringen.
„Es war uns beiden ein großes Fest, diese Aufgabe anzunehmen“, zeigte Folkert Uhde seine Begeisterung für sein Betätigungsfeld in Vorarlberg. Er spricht gerne in Bildern. So beschrieb er seine Intentionen damit, dass die „Montforter Zwischentöne“ wie ein Leuchtturm wirken sollen. Jeder Leuchtturm brauche ein starkes Fundament, betonte er. Dieses verleihen ihnen die Vorarlberger Künstlerinnen und Künstler. „Inhalte und Haltungen werden transportiert, viele unterschiedliche Gruppen sollen das verwurzeln“.

Ausgehend von den Begriffen „kultur.kongress.zentrum“ stehen drei verlängerte Wochenenden Ende Februar, Anfang Juli und Ende November jeweils unter einem anderen Leitgedanken. Lediglich das detaillierte Programm für die Februarveranstaltungen wurde beim Pressegespräch vorgestellt. Für die beiden weiteren Wochenenden mussten die Leitgedanken genügen. Vom 1. bis 5. Juli geht’s unter dem Motto „streiten. Zum Glück Konflikt!“ zur Sache und vom 16. bis zum 29. November stehen Veranstaltungen zum Thema „glauben. Zwischen Zweifel und Offenbarung“ im Mittelpunkt.

Anfänge


Zu Beginn werden Ende Februar „Anfänge“ ins Zentrum gerückt. Unter anderem werden dazu im Montforthaus drei Konzerte stattfinden. Wichtig ist den Programmverantwortlichen, dem herkömmlichen Konzertbetrieb zu entkommen. Sie wollen den Besuchern in Form von themenbezogenen und inszenierten Konzerten mehr als nur Musik bieten. Folkert Uhde wirkt in seinem Bemühen um neue Konzertformate glaubwürdig. Verbindungslinien zwischen den Künsten möchte er aufzeigen und herstellen. In diesem Sinn wird das Symphonieorchester Vorarlberg unter dem Motto „Harmonia Mundi“ eine „Konzertkomposition zum Anfang der Welt“ präsentieren. Geplant ist unter anderem ein akustisches Planetarium zur „Keplerschen Sphärenmusik“ des Soundkünstlers Fabian Russ mit einführenden Erläuterungen des Astrophysikers Michael Büker.

Im Rahmen eines begehbaren Konzertes wird das gesamte Montforthaus in 17 Räumen bespielt. So erhalten die Besucher die Möglichkeit, das neue Haus und seine unterschiedlichen Räumlichkeiten in Form von Kurzkonzerten und mit einem individuell zusammengestellten Programm kennenzulernen.

Außerdem wurden Menschen zu Anfängen ihrer Liebesgeschichten, Beziehungen und Partnerschaften befragt. In Form einer Videoinstallation werden diese Interviews im Rahmen eines inszenierten Konzertes in einen Dialog zu barocken Liebesliedern in Beziehung gestellt. Inwieweit diese Konzerte ein in sich abgerundetes Gesamterlebnis werden oder eher den derzeit hoch aktuellen Eventcharakter oder den Kunstgenuss in „kleinen Häppchen“ bedienen, bleibt abzuwarten.

Frühstückskonzerte mit Literatur im Cafe des Montforthauses sowie Filmvorführungen ergänzen das Programm. Weiters erhalten Studierende des Landeskonservatoriums die Gelegenheit, sich über neue Konzertformate Gedanken zu machen und einige dürfen ihre Idee im Sommer bei den „Zwischentönen“ präsentieren.

Private Räume öffnen


Der „Salon Paula“ wurde in Kooperation mit dem Landeskonservatorium entwickelt. Die Musikerinnen und Musiker Adrian Buzac, Karin-Regina Florey, Imke Frank, Francisco Obieta, die Literaturwissenschaftlerin Ulrike Längle, der Künstler Mark Riklin sowie der Stadtbibliothekar Hans Gruber können sozusagen „gebucht“ werden. Im Rahmen von privat veranstalteten „Salons“ sollen die geladenen Gäste miteinander ins Gespräch kommen. „Es geht darum, Leute zu versammeln und einzuladen, um Impulse zu geben. Wir wollen das möglichst breit streuen, es soll in einem bescheidenen Rahmen stattfinden“, präzisiert Folkert Uhde diese Programmidee.

Edgar Eller, Folkert Uhde und Hans-Joachim Gögl sind sich sicher, dass sie mit den „Montforter Zwischentönen“, die als Eigenveranstaltung des Hauses konzipiert und organisiert werden, auch international Aufmerksamkeit erregen werden.

Mehr Zeit für das Symphonieorchester Vorarlberg


Mit dem Symphonieorchester Vorarlberg hat das Montforthaus eine verstärkte Zusammenarbeit avisiert. Das Orchester erhält einen Tag mehr Probenzeit, sodass die Generalproben im Montforthaus stattfinden können. Im Gegenzug dazu hat das SOV zugesagt, Premieren in Zukunft in Feldkirch anzubieten.

 

www.montforter-zwischentoene.at

Folkert Uhde, Barbara Schöbi-Fink, Edgar Eller und Hans-Joachim Gögl präsentierten das Programm für das erste Wochenende der "Montforter Zwischentöne". Foto: Dietmar Mathis

Folkert Uhde, Barbara Schöbi-Fink, Edgar Eller und Hans-Joachim Gögl präsentierten das Programm für das erste Wochenende der "Montforter Zwischentöne". Foto: Dietmar Mathis

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